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Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gab es im ersten Halbjahr 2025 insgesamt 18,5 Prozent weniger schädliche Requests zu verzeichnen. Dennoch traten im Februar (+6 Prozent) und Juni (+6,6 Prozent) deutliche Spitzen auf, die sogar das bereits hohe Mitigationsniveau des Vorjahres übertrafen.
Besonders betroffen sind hochregulierte Branchen wie die Finanzindustrie, kritische Infrastrukturen und der öffentliche Sektor: 40 Prozent aller Attacken zielen auf Banken und andere Finanzdienstleister ab.

Herr Prof. Dr. Kipker, immer wieder führen uns Cyberangriffe vor Augen, wie verwundbar digitale Infrastrukturen in Deutschland immer noch sind. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen bei der Abwehr von Cyberattacken – etwa DDoS?
Wir müssen beachten, dass die Abwehr von DDoS-Angriffen längst mehr als eine rein technische Frage ist – es geht um Lieferketten, es geht um Compliance, um Haftung und auch um digitale Souveränität. Denn zur Abwehr von Überlastungsangriffen – etwa durch Traffic-Analyse und Filterung – müssen Dienstleister tief in den Datenverkehr blicken und eingreifen. Das bringt nicht nur technische, sondern vor allem auch erhebliche Compliance-Risiken mit sich. Insbesondere, wenn personenbezogene oder geschäftskritische Daten betroffen sind.
Als Unternehmen muss ich hier sicherstellen, dass die eingesetzten Dienstleister vertrauenswürdig sind und alle regulatorischen Vorgaben einhalten, um Haftungsrisiken zu minimieren und die Verfügbarkeit von Systemen zu gewährleisten. Grundlage hierfür ist ein sauberes Risikomanagement, auf dessen Basis der Dienstleister über eine Due Diligence auf Herz und Nieren geprüft wird.
Frau Prof. Dr. Specht-Riemenschneider, in den vergangenen Jahren sind die Abhängigkeiten Deutschlands in Bereichen wie Gesundheit, Energie und IT immer wieder deutlich hervorgetreten. Wie lassen sich diese Abhängigkeiten verringern und die Souveränität Deutschlands stärken?
Die Abhängigkeiten sind oft bekannt, werden aber zu spät oder nicht mit der nötigen Konsequenz adressiert. Ein wesentlicher Grund ist, dass wirtschaftliche Effizienz und kurzfristige Kostenersparnis lange Priorität hatten, während strategische Resilienz und digitale Souveränität erst in Krisenmomenten ins Zentrum rücken.
Für digitale und technische Souveränität braucht es eine vorausschauende Digital- und Industriepolitik, die gezielt europäische Technologien und Infrastrukturen stärkt. Das bedeutet Investitionen in Schlüsseltechnologien wie Cloud, KI und Halbleiter, die europäische Werte verwirklichen. Aber auch eine verstärkte europäische Zusammenarbeit, um Skaleneffekte zu nutzen und eigene Handlungsfähigkeit durch gebündelte Nachfrage zu stärken.
Zudem müssen regulatorische Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass sie grundrechtskonforme Innovation ermöglichen, ohne uns gleichzeitig in neue Abhängigkeiten zu begeben. Kurz gesagt: Wir brauchen weniger Reaktion und mehr strategische Weitsicht.
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