Open WebUI und LibreChat: was der Selbstbetrieb im Unternehmen wirklich bedeutet
Open WebUI und LibreChat sind Chat-Oberflächen, die man auf eigenen Servern installiert und dann mit lokalen Modellen (etwa über Ollama) oder mit den APIs von OpenAI, Anthropic oder Mistral verbindet. Nicht selten läuft eine davon längst auf irgendeiner VM der Entwickler, mehr oder weniger geduldet. Soll daraus das offizielle KI-Werkzeug für alle werden, ist die Installation die Kür. Die Pflicht beginnt danach, bei Lizenz und Updates bis hin zu den Unterlagen für Datenschutz und Betriebsrat (Stand 12.10.2026, Quellen am Ende).
Lizenz zuerst lesen, besonders bei Open WebUI
Wer Open WebUI noch als „BSD-lizenziert“ im Hinterkopf hat, liegt seit April 2025 daneben. Bis 0.6.5 stimmte das (und ganz am Anfang war es sogar MIT), mit 0.6.6 kam die hauseigene „Open WebUI License“. Die übernimmt zwar die drei BSD-Klauseln, hängt aber eine vierte an, und die hat es in sich. Name und Logo von Open WebUI dürfen nicht entfernt oder ersetzt werden, außer bei höchstens 50 Endnutzern in einem rollierenden 30-Tage-Fenster, mit schriftlicher Erlaubnis des Rechteinhabers oder mit Enterprise-Lizenz. Auf der Lizenzseite steht inzwischen selbst, dass das keine OSI-anerkannte Open-Source-Lizenz ist.
Solange die Oberfläche im Haus auch „Open WebUI“ heißen darf, stört das niemanden. Soll daraus aber der hauseigene Assistent mit eigenem Namen und Logo für ein paar hundert Leute werden, kommt man um eine Enterprise-Lizenz nicht herum, und wer Verbesserungen an das Projekt zurückgeben möchte, unterschreibt vorher ein Contributor License Agreement. LibreChat steht dagegen unter MIT, dort dürfen Sie umbenennen, wie Sie wollen.
Die beiden Projekte nebeneinander
| Open WebUI | LibreChat | |
|---|---|---|
| Lizenz | Open WebUI License (BSD-3-Basis plus Branding-Klausel ab 50 Nutzern) | MIT |
| Modelle | Ollama und OpenAI-kompatible APIs | OpenAI, Azure, Anthropic, AWS Bedrock, Google, Vertex AI, eigene OpenAI-kompatible Endpunkte, Ollama |
| Anmeldung | OAuth und OIDC, Trusted Header, LDAP/Active Directory, SCIM 2.0 | E-Mail, OAuth, OpenID Connect, SAML (ohne Single Logout), LDAP, Passkeys |
| Rollen | Admin, User, Pending, dazu Gruppen und Einzelrechte | USER, ADMIN, eigene Rollen und Gruppen; Admin Panel laut Doku im Status „Preview“ |
| Dokumente (RAG) | eingebaut, laut README neun Vektordatenbanken zur Wahl | eigener Dienst „RAG API“ mit pgvector |
| Agenten und Tools | Modelle mit eigenen Anweisungen und Wissen als Agenten; MCP, OpenAPI-Server, Plugins | Agenten, MCP, Code Interpreter, Websuche |
| Datenbank | SQLite oder PostgreSQL | MongoDB, dazu Meilisearch für die Suche |
| Protokollierung | Audit-Log vorhanden, im Quellcode standardmäßig NONE |
Traces und Logs per OpenTelemetry exportierbar |
Unter der Haube sieht es ziemlich verschieden aus. Open WebUI startet als ein Container, die Daten liegen erst mal in SQLite und später meist in PostgreSQL. In der docker-compose.yml von LibreChat stehen dagegen sechs Einträge: api, admin-panel, mongodb, meilisearch, vectordb und rag_api. Wer bisher kein MongoDB betreibt, hat damit eine Datenbank mehr im Backup-Plan.
Nach dem ersten „docker compose up“
Langweilig wird es mit keinem der beiden. Open WebUI hat zwischen dem 29. Juni und dem 10. Oktober 2026 neun Versionen rausgebracht (0.10.0 bis 0.12.0), LibreChat hat 0.8.8 am 1. Oktober nach vier Release Candidates freigegeben. Für die Community ist das gut. Im Betrieb heißt jede neue Version, dass jemand die Release Notes liest und ein Backup zieht, bevor die Migration erst auf der Testinstanz und dann live läuft. Gibt es dafür keinen festen Termin, läuft in einem Jahr noch die Version vom Start, samt den Lücken, die längst in den Release Notes stehen.
Mehr Arbeit machen die Modelle. Im eigenen Rechenzentrum heißt das GPU-Server mit CUDA-Treibern, darauf Ollama oder vLLM. Und jemand muss rangehen, wenn der Modellserver am Montag um acht nicht antwortet. Bei externen APIs stecken die Schlüssel in Umgebungsvariablen oder in der Datenbank der Oberfläche; die Open-WebUI-Doku rät ausdrücklich von Master-Keys ab und empfiehlt Schlüssel, die nur für Inferenz taugen. Schreiben Sie ins Betriebskonzept, wer die Schlüssel rotiert und wer die Rechnungen der Anbieter prüft.
Beim Single Sign-on lohnt sich ein Test mit dem eigenen Identity Provider, bevor man den Fachabteilungen einen Termin nennt. LibreChat kann SAML, laut Doku ohne Single Logout und immer nur entweder SAML oder OIDC, während die SSO-Doku von Open WebUI OAuth, OIDC und Trusted Header beschreibt und SAML dort nicht erwähnt.
Protokolle und personenbezogene Daten
In der Konfigurationsdatei env.py von Open WebUI stehen zwei Voreinstellungen, die Ihr Datenschutzbeauftragter kennen sollte. ENABLE_ADMIN_CHAT_ACCESS ist standardmäßig True, Administratoren können also die Chats der Nutzer lesen, bis jemand das abschaltet. Und AUDIT_LOG_LEVEL steht auf NONE, ein Audit-Log entsteht erst, wenn man es auf METADATA, REQUEST oder REQUEST_RESPONSE stellt, wobei die Chat-Pfade auch dann standardmäßig ausgenommen sind.
Wenn Administratoren oder Vorgesetzte Chats einsehen können, hat in Deutschland der Betriebsrat mitzureden, denn § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG gibt ihm ein Mitbestimmungsrecht bei technischen Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, das Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen. Eine Betriebsvereinbarung gehört dann in den Zeitplan.
Und die personenbezogenen Daten? Eine Maskierung, die Namen oder Kontonummern vor dem externen Modell austauscht, hat keines der beiden Projekte eingebaut. Open WebUI verweist auf Filter-Funktionen zum Selberschreiben oder aus der Community. LibreChat hat optionale Inhaltsfilter mit Regex-Mustern, die einen Treffer blockieren oder bloß mitschreiben (ersetzen können sie laut Doku nichts), und die mitgelieferten Muster zielen auf API-Schlüssel und Token. Für eine IBAN müssten Sie das Muster selbst bauen.
Dem Verzeichnis nach Art. 30 DSGVO ist es egal, welche Oberfläche Sie nehmen. Ebenso wenig den Maßnahmen nach Art. 32, der Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 (falls nötig) und den Verträgen nach Art. 28 mit jedem API-Anbieter. Das alles bleibt Handarbeit Ihres Hauses, und Open WebUI schreibt das auf der Enterprise-Seite auch unumwunden hin.
Wann Sie besser selbst betreiben
Es gibt gute Gründe für den Eigenbetrieb, und wir würden ihn in diesen Fällen auch empfehlen. Sie haben bereits GPU-Server und ein Team, das Container betreibt. Sie brauchen eine Installation ohne Internetverbindung. Sie wollen den Code ändern, eigene Plugins schreiben oder die Oberfläche tief in andere Systeme einbauen. Oder Sie sind eine kleine Gruppe von Entwicklern, die mit Modellen experimentiert und keine Betriebsvereinbarung braucht. Dann sind Open WebUI und LibreChat ausgereifte, aktiv gepflegte Werkzeuge, und LibreChat erlaubt Ihnen dank MIT-Lizenz sogar den eigenen Namen.
Wann ein verwalteter EU-Workspace passt
Anders sieht es aus, wenn die Fachabteilungen das Werkzeug brauchen und die IT keine weitere Plattform pflegen will. Myra AI Workspace deckt Chat, Projekte mit Wissen (inklusive OCR für Scans), Agenten und Workflows mit Freigabeschritten ab; SSO per OIDC oder SAML und SCIM sind dabei. Updates und den Betrieb der Myra-Modelle übernimmt Myra. Der Dienst läuft auf BSI-C5-Typ-2-testierter Myra-Infrastruktur.
Bei den Datenschutzfragen von oben sind einige Antworten schon eingebaut. Personenbezogene Daten werden vor einem externen Modell durch Platzhalter ersetzt und in der Antwort wiederhergestellt, in allen Tarifen. Eine farbige Anzeige neben der Modellauswahl zeigt vor dem Senden, was passiert: grün „Lokales Modell“ oder „Lokal + Maskierung“, gelb „Datenschutz an“ (externes Modell, maskiert), rot „Datenschutz aus“ (externes Modell, unmaskiert). Myra-Modelle laufen auf Myras eigener EU-Infrastruktur; in bezahlten Self-Serve-Tarifen setzen sie das Zusatzpaket „EU-Gov“ voraus. Pro Projekt lässt sich „Nur lokal“ festlegen, dann sperrt das Projekt Cloud-Modelle samt Websuche und externen Tools. EU-Datenresidenz lässt sich einschalten; ab Werk ist sie aus.
Auch hier wird protokolliert, und das sagen wir offen. Admin-Änderungen und Sicherheitsereignisse werden protokolliert, bei Bedarf manipulationserkennbar per Hash-Kette; eine eigene Ansicht dieses Protokolls haben Kunden-Admins nicht. Im Anfrageprotokoll stehen standardmäßig auch Prompt und Antwort; im Ghost-Modus wird eine Unterhaltung weder gespeichert noch protokolliert. Myra verwendet Kundendaten nicht zum Training von KI-Modellen. Wer gar keine Cloud will, bekommt Myra AI Workspace auf Anfrage on-premises. Endet der Vertrag, erhalten Sie alle Daten in offenen Formaten.
Was Sie bei Myra nicht bekommen: Zugriff auf den Quellcode und beliebige Plugins. Die Oberfläche gibt es auf Deutsch und Englisch.
Weiter: Myra AI Workspace, Schatten-KI im Unternehmen, Langdock oder Myra AI Workspace?
Häufige Fragen
Ist Open WebUI noch Open Source?
Im Sinne der OSI nicht mehr, das räumt Open WebUI auf seiner Lizenzseite selbst ein. Der Code ab Version 0.6.6 steht unter der hauseigenen Open WebUI License, die zwar Nutzung und Änderung erlaubt, ab mehr als 50 Nutzern in 30 Tagen aber verlangt, dass Name und Logo von Open WebUI sichtbar bleiben, sofern keine schriftliche Erlaubnis oder Enterprise-Lizenz vorliegt. Älterer Code bleibt unter BSD-3, der früheste unter MIT.
Können Admins in Open WebUI die Chats der Beschäftigten lesen?
In der Voreinstellung können sie das, weil ENABLE_ADMIN_CHAT_ACCESS im Quellcode auf True steht, und die Rollen-Doku nennt genau diese Variable als Schalter dagegen. Wer das nicht möchte, stellt sie vor der Einführung auf False und hält die Einstellung in der Betriebsvereinbarung fest.
Quellen
- Open WebUI: LICENSE (GitHub), abgerufen am 12.10.2026
- Open WebUI: LICENSE_HISTORY (GitHub), abgerufen am 12.10.2026
- Open WebUI-Doku: License, abgerufen am 12.10.2026
- Open WebUI: README (Funktionen), abgerufen am 12.10.2026
- Open WebUI-Doku: SSO (OAuth, OIDC, Trusted Header), abgerufen am 12.10.2026
- Open WebUI-Doku: Rollen, abgerufen am 12.10.2026
- Open WebUI-Doku: RBAC (Hinweis zu Master-Keys), abgerufen am 12.10.2026
- Open WebUI-Doku: Enterprise, abgerufen am 12.10.2026
- Open WebUI-Doku: Extensibility (Filter-Funktionen), abgerufen am 12.10.2026
- Open WebUI: env.py (Standardwerte Audit-Log und Admin-Chatzugriff), abgerufen am 12.10.2026
- Open WebUI: Releases, abgerufen am 12.10.2026
- LibreChat: LICENSE (MIT, GitHub), abgerufen am 12.10.2026
- LibreChat: README (Funktionen), abgerufen am 12.10.2026
- LibreChat: docker-compose.yml, abgerufen am 12.10.2026
- LibreChat-Doku: SAML, abgerufen am 12.10.2026
- LibreChat-Doku: Admin Panel, abgerufen am 12.10.2026
- LibreChat-Doku: Content Filter, abgerufen am 12.10.2026
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), EUR-Lex, abgerufen am 12.10.2026
- § 87 BetrVG, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 12.10.2026