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Prompt Injection: Beispiele, Jailbreaks und Schutzmaßnahmen

Cyberkriminelle nutzen Prompt Injections und Jailbreaks, um Schutzfunktionen in KI-Sprachmodellen zu umgehen und potenziell schädliche oder illegale Prompts auszuführen.

Code auf einem Bildschirm

Prompt Injection & Jailbreaks in a Nutshell

Prompt Injection ist ein Angriff, bei dem eingeschleuste Anweisungen ein KI-Sprachmodell von seiner vorgesehenen Aufgabe abbringen sollen. Die Anweisungen stehen direkt in einer Eingabe oder in Dokumenten, Webseiten und E-Mails, die das Modell verarbeitet. Mögliche Folgen sind verfälschte Antworten, unbeabsichtigte Aktionen und Datenabflüsse.

Eine Sonderform ist der KI-Jailbreak: Er zielt darauf, die Sicherheitsvorgaben des Modells zu umgehen. Wer KI im Unternehmen einsetzt, sollte beide Angriffsformen kennen. Schutz erfordert mehrere aufeinander abgestimmte Maßnahmen. Eine zentrale Sicherheitsschicht zwischen Nutzenden und KI-Modellen, wie sie Myra AI Workspace bietet, kann einen Teil davon übernehmen.

Was ist Prompt Injection? Definition und Ursache

Sprachmodelle können vertrauenswürdige Anweisungen und nicht vertrauenswürdige Inhalte nicht zuverlässig auseinanderhalten. Das BSI stufte diese Eigenschaft bereits 2023 als intrinsische Schwachstelle anwendungsintegrierter KI-Sprachmodelle ein. Auch OWASP hält 2026 fest, dass Sprachmodelle architektonisch nicht zwischen Anweisungen und Daten unterscheiden. Eine Prompt Injection nutzt diese Schwäche aus: Das Modell behandelt eingeschleusten Text als Handlungsanweisung, obwohl es ihn lediglich als Inhalt verarbeiten sollte.

In den „OWASP Top 10 for LLM Applications 2026“ steht Prompt Injection unter LLM01 weiterhin an erster Stelle der Risiken für Anwendungen mit großen Sprachmodellen (Large Language Models, LLMs). Die aktuelle Definition fasst den Begriff weiter als die Vorgängerversion: Eine solche Schwachstelle liegt vor, wenn Eingaben das Verhalten eines Modells auf eine Weise verändern, die die Entwickelnden der Anwendung nicht beabsichtigt haben. Als Eingaben zählen direkte Nutzereingaben, abgerufene Inhalte, Werkzeugausgaben, Bilder, Audio- und Videoinhalte, Zwischenschritte des Modells sowie gespeicherte Erinnerungen.

Im englischen Original heißt es, die Eingabe „alters the model’s behavior in ways the application developer did not intend“.

Prompt Injection entsteht, weil ein KI-Sprachmodell Anweisungen aus dem System-Prompt und fremde Inhalte im selben Text nicht zuverlässig unterscheiden kann. Drei Angriffswege: direkte und indirekte Prompt Injection sowie der KI-Jailbreak als Sonderform.

Direkte und indirekte Prompt Injection: Unterschiede zum Jailbreak

Entscheidend ist, woher die eingeschleuste Anweisung stammt und worauf der Angriff abzielt.

Variante
Wo die Anweisung steckt
Wer sie platziert
Typisches Ziel

Direkte Prompt Injection

Im Eingabefeld der Anwendung

Die nutzende Person selbst

Anwendungsvorgaben aushebeln oder Systemanweisungen offenlegen

Indirekte Prompt Injection

In Dokumenten, Webseiten, E-Mails oder Werkzeugergebnissen, die das Modell verarbeitet

Dritte, häufig unbemerkt von den Betroffenen

Daten abziehen, Aktionen auslösen oder Antworten verfälschen

KI-Jailbreak beziehungsweise LLM-Jailbreak

Meist in einer Eingabe, die Sicherheitsvorgaben des Modells umgehen soll

Meist die nutzende Person

Inhalte erzeugen lassen, die das Modell sonst ablehnt

Direkte Prompt Injection

Im Eingabefeld der Anwendung

Indirekte Prompt Injection

In Dokumenten, Webseiten, E-Mails oder Werkzeugergebnissen, die das Modell verarbeitet

KI-Jailbreak beziehungsweise LLM-Jailbreak

Meist in einer Eingabe, die Sicherheitsvorgaben des Modells umgehen soll

Laut OWASP ist ein Jailbreak eine Sonderform der Prompt Injection: Ziel ist, dass das Modell gegen seine Sicherheitsvorgaben verstößt.

Für Behörden und Unternehmen, die KI-Modelle mit Dokument-Upload nutzen, ist die indirekte Variante besonders relevant. Das BSI beschreibt in seinem im September 2026 veröffentlichten „Basisschutz gegen Indirect Prompt Injections in dokumentbasierten LLM-Chats“, wie Angreifende Anweisungen in hochgeladene Dokumente einbetten, etwa mithilfe unsichtbarer Unicode-Zeichen oder weißer Schrift auf weißem Hintergrund. Betroffen ist nicht nur der sichtbare Text, sondern auch Metadaten, Annotationen und Kommentare. Die Datei wirkt beim Lesen harmlos, während das Modell die verborgenen Inhalte möglicherweise verarbeitet.

Typische Folgen erfolgreicher Angriffe sind laut BSI Datenabflüsse, die Offenlegung des System-Prompts oder fehlerhaft erledigte Aufgaben.

Als Basisschutz empfiehlt das BSI fünf Maßnahmen, die im Zusammenspiel wirken: die Bereinigung eingelesener Inhalte, die Trennung vertrauenswürdiger und nicht vertrauenswürdiger Inhalte im Prompt, einen gehärteten System-Prompt, die Auswahl eines robusten Modells mit vorgeschaltetem Denkschritt (Reasoning) und die Filterung der Modellausgaben. Für KI-Agenten empfiehlt das BSI zusätzlich, sicherheitskritische Aktionen von Menschen bestätigen zu lassen und Ereignisse kontinuierlich zu protokollieren.

Prompt Injection: Beispiele aus der Praxis

Die folgenden Beispiele zeigen typische Angriffsmuster, ohne konkrete Angriffstexte wiederzugeben.

Direkter Angriff auf einen Kundenchat

Ein Kundenchat soll Auskünfte zu Bestellungen geben. Eine Person fordert das Modell auf, seine bisherigen Vorgaben zu ignorieren und stattdessen eine interne Notiz auszugeben. Diese direkte Prompt Injection soll die Anwendung von ihrer vorgesehenen Aufgabe abbringen.

Verborgene Anweisung in einer Bewerbung

Ein Assistent fasst eingehende Bewerbungen zusammen. Eine der Dateien enthält eine verborgene Anweisung, die Bewerbung besonders positiv darzustellen. Der indirekte Angriff kann die Zusammenfassung beeinflussen, ohne dass dem Team die Anweisung auffällt.

Datenversand durch einen Werkzeugaufruf

Darf ein KI-Assistent Werkzeuge nutzen, kann eine eingeschleuste Anweisung auch eine Handlung auslösen, etwa den Versand von Daten an ein externes Ziel. Die Auswirkungen beschränken sich dann nicht auf eine verfälschte Antwort.

Schutz vor Prompt Injection in mehreren Schichten

Eine einzelne Maßnahme bietet keinen vollständigen Schutz. Unternehmen müssen sowohl eingeschleuste Anweisungen erkennen als auch die Handlungsmöglichkeiten des Modells begrenzen.

Die folgende Tabelle zeigt Schutzschichten und die entsprechenden Funktionen in Myra AI Workspace.

Schutzschicht
Maßnahme
Umsetzung in Myra AI Workspace

Eingaben prüfen

Angriffsversuche in Eingaben und externen Inhalten erkennen, bevor sie das Modell erreichen

Trainierter Klassifikator für Prompt Injection und Jailbreaks, gehostet in der zertifizierten Myra-Infrastruktur in der EU. Er prüft Nutzereingaben sowie Ergebnisse von Werkzeugen, Websuche und Wissensdatenbank. Ergänzend erkennt ein Filter bekannte Angriffsphrasen, auch in Werkzeugergebnissen.

Externe Inhalte kennzeichnen

Inhalte aus Dokumenten, Webseiten und Werkzeugen als Daten statt als Anweisung markieren

Standardmäßig aktive Kennzeichnung nicht vertrauenswürdiger Inhalte

Inhalte filtern

Schädliche Inhalte in Anfragen und Antworten erkennen

Klassifikator für schädliche Inhalte wie Gewaltdarstellungen, gehostet in der zertifizierten Myra-Infrastruktur in der EU. Er ergänzt die Angriffserkennung, ersetzt sie aber nicht.

Rechte begrenzen

Zugriffe und Werkzeuge auf das für die Aufgabe erforderliche Maß beschränken

Zugriffsstufe pro Projekt; bei „Nur lokal“ sind Cloud-Modelle, Websuche und externe Tools gesperrt

Ausgehende Aufrufe kontrollieren

Vom Modell ausgelöste Aufrufe prüfen

Prüfung vom Modell ausgelöster Abrufe und Suchanfragen; blockiert strukturierte Daten wie E-Mail-Adressen oder Zugangsschlüssel

Menschen einbinden

Folgenreiche Schritte vor der Ausführung freigeben lassen

Workflows mit menschlichem Freigabeschritt; Freigabe einzelner Werkzeugaufrufe bei unbeaufsichtigten Agentenläufen

Daten reduzieren

Sensible Inhalte im Prompt begrenzen

Maskierung personenbezogener Daten vor dem Versand an externe Modelle

Ereignisse nachvollziehen

Änderungen und Sicherheitsereignisse protokollieren

Manipulationserkennbares Audit-Log für Admin-Änderungen und Sicherheitsereignisse

Eingaben prüfen

Angriffsversuche in Eingaben und externen Inhalten erkennen, bevor sie das Modell erreichen

Externe Inhalte kennzeichnen

Inhalte aus Dokumenten, Webseiten und Werkzeugen als Daten statt als Anweisung markieren

Inhalte filtern

Schädliche Inhalte in Anfragen und Antworten erkennen

Rechte begrenzen

Zugriffe und Werkzeuge auf das für die Aufgabe erforderliche Maß beschränken

Ausgehende Aufrufe kontrollieren

Vom Modell ausgelöste Aufrufe prüfen

Menschen einbinden

Folgenreiche Schritte vor der Ausführung freigeben lassen

Daten reduzieren

Sensible Inhalte im Prompt begrenzen

Ereignisse nachvollziehen

Änderungen und Sicherheitsereignisse protokollieren

Begrenzte Rechte reduzieren die Handlungsmöglichkeiten nach einem erfolgreichen Angriff. Ein Modell, das keine Werkzeuge aufrufen oder Daten versenden darf, kann diese Aktionen auch nicht aufgrund einer eingeschleusten Anweisung ausführen.

OWASP betont diesen Zusammenhang in der Ausgabe 2026: Schwere Folgen entstehen vor allem dann, wenn ein Modell nach einer erfolgreichen Injection weitreichende Rechte nutzen kann. Zu weitreichende Befugnisse führt die Liste als eigenes Risiko „Excessive Agency“ auf Platz 3.

Grenzen des Schutzes

Klassifikatoren können Angriffsversuche übersehen und harmlose Texte fälschlich als Angriff einstufen. Anbieter sollten diese Grenzen benennen. Unternehmen sollten die Erkennung mit eigenen Beispielen testen. Das gilt auch für Filter, die Modellausgaben prüfen.

Die Erkennung bekannter Angriffsphrasen ist ein schneller erster Filter. Umformulierte oder aufwendig verschleierte Angriffe erfasst sie nicht zuverlässig, dafür ist der zusätzliche Klassifikator zuständig. Aber auch er kann Angriffe übersehen. Die Kennzeichnung externer Inhalte verringert das Risiko indirekter Angriffe, verhindert sie aber nicht.

Angriffsmethoden entwickeln sich weiter. Regeln, die heute greifen, können später umgangen werden. Planen Sie deshalb auch für den Fall, dass ein Angriff erfolgreich ist:

  • Welche Daten kann das Modell erreichen?

  • Welche Aktionen darf es ausführen?

  • Wer erkennt den Vorfall?

Technische Schutzmaßnahmen ergänzen diese Planung, ersetzen sie aber nicht.

Hardware Kabel

Schutzmaßnahmen im Unternehmen umsetzen

Gehen Sie bei der Absicherung Ihrer KI-Anwendungen schrittweise vor:

  1. Ermitteln Sie, welche Anwendungen fremde Dokumente oder Webseiten verarbeiten.

  2. Beschränken Sie dort die verfügbaren Werkzeuge und Zugriffsrechte.

  3. Aktivieren Sie Guardrails sodass erkannte Angriffe blockiert und protokolliert werden.

  4. Testen Sie die Erkennung mit nicht sensiblen Beispieltexten.

  5. Stellen Sie sicher, dass folgenreiche Aktionen eine menschliche Freigabe erfordern.

Hände die auf enen Laptop Bildschirm zeigen

FAQ zu Prompt Injection und KI-Jailbreaks

Prompt Injection bezeichnet einen Angriff, bei dem eingeschleuste Anweisungen das Verhalten eines Sprachmodells beeinflussen sollen. Sie können direkt in einer Nutzereingabe oder in externen Inhalten stehen. Mögliche Folgen sind verfälschte Antworten, unbeabsichtigte Aktionen und Datenabflüsse.

Quellen

Hier finden Sie die für diesen Artikel herangezogenen Quellen mitsamt Abrufdatum. 

  1. 2026

  2. 2026

  3. 2026

Über den Autor

Stefan Bordel

Senior Editor

Über den Autor

Stefan Bordel ist seit 2020 als Editor und Technischer Redakteur bei Myra Security tätig. Er verantwortet die strategische Entwicklung und redaktionelle Betreuung sämtlicher Content-Formate – von Website-Inhalten und Fachpublikationen über Whitepaper bis hin zu Social-Media-Kommunikation und technischer Dokumentation. In dieser Position verbindet er fundierte Expertise aus dem IT-Journalismus mit tiefgreifendem technischem Verständnis im Bereich Cybersecurity. Als langjähriger Linux-Enthusiast beobachtet er die Entwicklungen der IT-Branche sowohl privat als auch beruflich aus nächster Nähe.