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Trending Topics Cybersicherheit – Juli 2026

SECURITY INSIGHTS | 31. Juli 2026

Die monatlichen Security-Highlights von Myra versorgen IT-Führungskräfte und Sicherheitsfachleute mit den relevantesten Themen aus der Welt der Cybersicherheit. Aktuelle Trends, Verteidigungsstrategien und Meldungen zu Cyberattacken, Angriffskampagnen und mehr finden Sie hier übersichtlich aufbereitet.

Trending Topics
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Wie massiv Cyberkriminelle aktuell Organisationen aus der öffentlichen Verwaltung ins Visier nehmen, wurde im Juli deutlich. In Rumänien löschte ein Angreifer nach einem gescheiterten Erpressungsversuch die gesamte Grundbuchdatenbank des Landes und legte damit den nationalen Immobilienmarkt lahm. Parallel verdoppelten sich die erfassten Sicherheitsvorfälle in der Landesverwaltung Sachsen-Anhalt, und die EU reagierte mit Sanktionen auf ein russisches Netzwerk aus Geheimdiensten und Cyberkriminellen. Indessen zieht der Bund aus der anhaltend hohen Bedrohungslage Konsequenzen: Mit einem behördenübergreifenden Cybersicherheitsprogramm gelten erstmals einheitliche Mindeststandards für alle Ministerien.

Zugleich beschäftigen Risiken und Governance-Fragen rund um Künstliche Intelligenz die Cybersicherheitsbranche. So drangen im Rahmen von Testläufen moderne KI-Modelle der Hersteller Anthropic und OpenAI eigenständig in Systeme anderer Unternehmen ein – für das BSI Anlass zur Mahnung: Hersteller müssten ihren KI-Agenten klare Rollen und begrenzte Rechte vorgeben. Wie das in der Praxis aussehen kann, verdeutlicht die neue Prüfarchitektur „A5" des BSI, ein Standard für vertrauenswürdige KI-Systeme. Die EU-Kommission bereitet unterdessen Notfallmaßnahmen gegen eine mögliche Sperrung sicherheitsrelevanter KI durch Drittstaaten vor.

Die Debatte um solche Sperren wirft einmal mehr die übergeordnete strategische Frage nach der Sicherung digitaler Souveränität auf. Die auf dem Myra-Event „Bots & Brews" vorgestellte Studie „State of Digital Sovereignty 2026: Uncharted Waters" zeigt, dass 39,7 Prozent der befragten Unternehmen aktiv europäische Softwarelösungen einführen – was nahezu einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr (20,4 Prozent) entspricht.

Die Top-Themen der IT-Sicherheit im Juli:

IT-Security-Trends

Europa stärkt KI-Sicherheit: EU-Kommission legt Aktionsplan gegen KI-Sperren vor
Nachdem die US-Regierung zeitweise den Zugang von Ausländern zu KI-Modellen des Anbieters Anthropic gesperrt hatte, reagiert die EU-Kommission mit einem Aktionsplan für mehr KI-Sicherheit. Bis Jahresende sollen Notfallmaßnahmen für den Fall entwickelt werden, dass ein Drittstaat den Zugang zu KI mit sicherheitsrelevanten Cyberfähigkeiten einschränkt. Geplant sind EU-weite Bewertungskapazitäten für KI-Modelle sowie eine sichere Testplattform der EU-Cybersicherheitsagentur ENISA.

Sachsen-Anhalt: Cyberangriffe auf die Landesverwaltung verdoppeln sich
Die Zahl der erfassten IT-Sicherheitsvorfälle in der Landesverwaltung Sachsen-Anhalt hat sich im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt – von 14 auf 30 Vorfälle. Darunter waren 16 Phishing-Angriffe, zwei DDoS-Attacken, zwei Systemeinbrüche sowie neun Fälle von Diebstahl oder Verlust von IT-Hardware. Laut Ministerium treten DDoS-Angriffe verstärkt in den Ferienzeiten auf und richten sich zunehmend auch gegen Kommunen.

Weiterbildungsbudgets steigen: Deutsche Unternehmen investieren stärker in Sicherheitsschulungen
Aufgrund des anhaltenden Fachkräftemangels betrachten Unternehmen Cybersecurity-Schulungen zunehmend als strategische Investition. Laut der ISC2-Studie „Security Training Trends 2026" haben 66 Prozent der deutschen Teilnehmenden ihre Budgets für Sicherheitsschulungen in den letzten zwölf Monaten erhöht. Treiber sind vor allem KI-gestützte Angriffe und der wachsende Bedarf an Cloud-Sicherheitskompetenzen.

Myra CDN
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Cybercrime

Rumänien: Angreifer löscht gesamte Grundbuchdatenbank des Landes
Die gesamte Grundbuchdatenbank Rumäniens ist einem Cyberangriff zum Opfer gefallen. Der Angreifer verschaffte sich mit gültigen Zugangsdaten Zutritt zur Katasterbehörde ANCPI, erkundete die internen Systeme und zerstörte nach einem misslungenen Erpressungsversuch sämtliche Daten samt Backups. Der Vorfall wurde Mitte Juli öffentlich. Die erbeuteten Daten standen anschließend in einem Internetforum zum Verkauf. In der Folge des Angriffs kam der rumänische Immobilienmarkt weitgehend zum Erliegen: Notare konnten keine Transaktionen beurkunden, offizielle Apps und Webseiten waren offline.

EU sanktioniert Russland wegen schwerer Cyberangriffe und Sabotage
Der Europäische Rat wirft Russland vor, ein komplexes Netzwerk aus Geheimdiensten, Cyberkriminellen, Hacktivisten und Unternehmen für verheerende Cyberoperationen zu nutzen, und reagiert mit Sanktionen. Im Mittelpunkt steht das „16. Zentrum" des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, das bekannte Gruppen wie Turla steuern soll. Betroffen sind unter anderem Deutschland, Frankreich, Polen und Finnland. In Polen soll die Einheit Sabotageakte gegen Heizkraftwerke und Schienennetze verübt haben. In Deutschland richteten sich die Angriffe vor allem gegen staatliche Einrichtungen.

Stadler: Angreifer erpressen Zughersteller um Millionenbetrag
Der Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler wurde Mitte Juli Ziel eines Cyberangriffs. Die Angreifergruppe Everest verschaffte sich über eine Datenaustauschplattform Zugang zu technischen Daten eines Zulieferers und forderte rund 10 Millionen Schweizer Franken Lösegeld. Stadler lehnte eine Zahlung ab, erklärte sich für „nicht erpressbar" und erstattete Strafanzeige. Nach Unternehmensangaben sind die eigenen Produktionssysteme nicht betroffen und die entwendeten Daten nicht sicherheitsrelevant.

Passwort-Spraying: 81 Millionen Login-Versuche gegen Microsoft 365
Innerhalb von zwei Wochen im Juni 2026 verzeichneten Fachleute rund 81 Millionen Anmeldeversuche gegen Microsoft-365-Umgebungen; 78 Konten in 64 Organisationen wurden dabei kompromittiert. Die Angreifer setzten Zugangsdaten aus früheren Datenlecks ein und umgingen über ein veraltetes Anmeldeverfahren die Mehr-Faktor-Authentifizierung (MFA). Besonders betroffen waren Umgebungen, in denen MFA nur teilweise – etwa für einzelne Anwendungen oder Nutzergruppen – aktiviert war. Der Vorfall unterstreicht, dass ein zweiter Faktor nur dann zuverlässig schützt, wenn er ausnahmslos für alle Zugangswege gilt.

Ernst & Young: Datenabfluss über Support-Ticketsystem eines Drittanbieters
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) informiert Kunden über ein Datenleck, das auf den Angriff auf eine IT-Service-Management-Plattform eines Drittanbieters zurückgeht. Zwischen dem 28. März und dem 12. April 2026 lud ein unbefugter Dritter Dokumente herunter, die persönliche und finanzielle Daten für die Erstellung von Steuererklärungen enthielten. Entdeckt wurde die Anomalie erst am 23. April.

Transport for London: Fünfeinhalb Jahre Haft für Angreifer aus der Gruppe „Scattered Spider"
Zwei junge Männer wurden für den Cyberangriff auf die Londoner Verkehrsbetriebe Transport for London (TfL) im Spätsommer 2024 zu jeweils fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Sie gehörten der bekannten Gruppe „Scattered Spider" an. Es ist erst das zweite Urteil unter dem britischen Computer Misuse Act. Der Schaden für TfL beläuft sich auf rund 34 Millionen Euro. Infolge des Angriffs mussten alle 27.000 TfL-Beschäftigten ihr Passwort vor Ort zurücksetzen, und 148 Systeme fielen aus.

Cyberangriff auf IT-Dienstleister der Stadt Leipzig ohne Systemausfall gestoppt
Der Leipziger IT-Dienstleister Lecos, der Softwarelösungen und Rechenleistung für Kommunen bereitstellt, wurde Ziel eines Cyberangriffs. Nach Angaben der Stadtverwaltung wurde der Angriff bemerkt und gestoppt, ohne dass IT-Systeme ausfielen. Sensible Daten gelangten den Angaben zufolge nicht in die Hände der Angreifer. Das Landeskriminalamt Sachsen ermittelt.

Best Practice, Defense & Mitigation

CyberGovSecure: Bund beschließt einheitliche Cybersicherheitsregeln für Behörden
Die Bundesregierung hat mit „CyberGovSecure" ein umfassendes Programm zur Steigerung der Cybersicherheit in Behörden beschlossen. Erstmals gelten einheitliche Regeln für alle Ministerien: Eine neue Leitungsgruppe unter Vorsitz des Digitalministeriums gibt den Kurs vor und arbeitet eng mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zusammen. Konkrete Maßnahmen umfassen die einheitliche Absicherung von Geräten, regelmäßige Schwachstellenprüfungen sowie eine verpflichtende Mehr-Faktor-Authentifizierung. Für die Umsetzung wurden zusätzliche Stellen und Mittel angemeldet. Ein Jahresbericht soll den Fortschritt offenlegen.

BSI legt Prüfarchitektur „A5" für vertrauenswürdige KI-Systeme vor
Das BSI hat mit der „AI Audit and Assurance Assessment Architecture" (A5) erstmals eine standardisierte, modulare Prüfarchitektur für KI-Systeme als Community Draft veröffentlicht. Der Kriterienkatalog bewertet KI-Systeme unter anderem auf Robustheit, Erklärbarkeit, Vermeidung von Verzerrungen und Cybersicherheit. Methodisch orientiert sich A5 am Cloud-Katalog C5 und am Prüfstandard ISAE 3000. A5 adressiert die Nachweisanforderungen aus EU AI Act und Cyber Resilience Act. Der Entwurf kann bis zum 31. August 2026 kommentiert werden.

USA: Regierung startet Clearinghouse „Gold Eagle" für koordinierte Cyberabwehr
Die US-Regierung hat mit „Gold Eagle" das erste operative Programm aus ihrem KI-Erlass gestartet. Das Clearinghouse soll Regierungsbehörden, Betreibern kritischer Infrastruktur und Privatunternehmen eine gemeinsame Plattform zur koordinierten Bearbeitung von Cyberschwachstellen bieten. Als „Force Multiplier" soll es doppelte Scan-Bemühungen vermeiden und validierte Schwachstellen gezielt weiterreichen. Beteiligt sind neben dem Weißen Haus das US-Finanzministerium, das Heimatschutzministerium mit der CISA sowie das Pentagon.

Things to know

Autonome KI-Angriffe: BSI mahnt zu mehr KI-Kontrolle

Der Claude-Entwickler Anthropic hat eingeräumt, dass eigene KI-Modelle im Rahmen von Sicherheitstests ungeplant in Computersysteme von drei Unternehmen eingedrungen sind – möglich wurde dies durch ein Missverständnis mit dem Testpartner, das den Modellen direkten Internetzugang verschaffte. Der Vorfall reiht sich in einen ähnlichen Fall mit einem OpenAI-Modell ein und gilt Fachleuten als Warnsignal für die Risiken autonomer KI-Agenten. Das BSI mahnt als Reaktion, KI-Systeme mit klar definierten Rollen, eingeschränkten Berechtigungen und verbindlichen Prüfmechanismen abzusichern.

BND und Verfassungsschutz sollen mit Zero-Days zu „Super-Geheimdiensten" werden
Ein 648 Seiten umfassender Referentenentwurf des Bundesinnenministeriums zur Neuordnung des Nachrichtendienstrechts sieht eine massive digitale Aufrüstung der Dienste vor. Inlands- und Auslandsnachrichtendienst sollen im cyber-operativen Bereich eigenständig agieren dürfen – etwa durch aktive Eingriffe in laufende Attacken und den Einsatz von Zero-Day-Schwachstellen. Kritiker warnen, dem BSI drohe damit die Rolle eines bloßen Zulieferers für die Dienste. Zudem sehen sie in den geplanten Befugnissen einen tiefen Eingriff in digitale Freiheitsrechte.

Myra-Studie „Uncharted Waters": Deutsche Unternehmen vollziehen Kehrtwende hin zu europäischer Software

Laut der Myra-Studie „State of Digital Sovereignty 2026: Uncharted Waters" schließen nur noch 4,6 Prozent der deutschen IT-Entscheidenden europäische Software kategorisch aus – nach 47,7 Prozent im Vorjahr. Bereits 39,7 Prozent führen hingegen aktuell europäische Lösungen ein und liegen damit knapp vor Frankreich und den nordischen Ländern. Als größte Hürden gelten hohe Migrationskosten und fehlendes Wissen über verfügbare europäische Alternativen.

Über den Autor

Stefan Bordel

Senior Editor

Über den Autor

Stefan Bordel ist seit 2020 als Editor und Technischer Redakteur bei Myra Security tätig. Er verantwortet die strategische Entwicklung und redaktionelle Betreuung sämtlicher Content-Formate – von Website-Inhalten und Fachpublikationen über Whitepaper bis hin zu Social-Media-Kommunikation und technischer Dokumentation. In dieser Position verbindet er fundierte Expertise aus dem IT-Journalismus mit tiefgreifendem technischem Verständnis im Bereich Cybersecurity. Als langjähriger Linux-Enthusiast beobachtet er die Entwicklungen der IT-Branche sowohl privat als auch beruflich aus nächster Nähe.

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