Neu: AI Workspace – Sichere KI für Organisationen mit sensiblen Daten. Jetzt mehr erfahren.
SECURITY INSIGHTS | 25. September 2026
KI-Tools haben sich vielerorts bereits im beruflichen Alltag etabliert, jedoch oft ohne das Wissen der IT-Abteilung oder der Geschäftsführung. Über 40 Prozent der Mitarbeitenden nutzen private KI-Zugänge für berufliche Aufgaben. Denn wo Organisationen keine praktikable, freigegebene Alternative bereitstellen, suchen sich Teams ihre eigenen Wege, um produktiver zu arbeiten.
Fragen Sie Ihre IT-Abteilung, welche KI-Tools im Unternehmen im Einsatz sind. Die Antwort wird eine Liste sein: vielleicht ein Pilotprojekt, ein freigegebenes Tool, ein laufendes Evaluierungsverfahren. Was diese Liste nicht enthält: Die Browser-Erweiterung, die Ihre Kollegin im Vertrieb seit Monaten nutzt. Das persönliche ChatGPT-Abonnement des Entwicklers, der Kundendaten zur Fehleranalyse einfügt. Die KI-Funktion im SaaS-Tool, die still aktiviert wurde, ohne dass jemand die Datenschutzklauseln neu bewertet hat. Das ist Shadow AI, die in den meisten Organisationen bereits Realität ist.
Der erste Reflex ist oft, Shadow AI als Disziplinproblem zu sehen: Mitarbeitende, die Regeln umgehen. Dieser Reflex ist verständlich, aber falsch und er löst das Problem nicht.
Wer KI-Tools privat oder abteilungsweise nutzt, tut es aus einem nachvollziehbaren Grund: Die Werkzeuge funktionieren und steigern die Produktivität. Texte entstehen schneller, Recherchen werden effizienter, Routineaufgaben in der Entwicklung lassen sich beschleunigen. Die Einhaltung von Compliance-Regeln bleibt dabei aber meist auf der Strecke.
Das Problem ist vielmehr struktureller Natur: Die wenigsten Organisationen stellen bislang zentrale, freigegebene KI-Infrastruktur bereit, die sowohl produktiv als auch Compliance-konform ist. Solange diese Lücke besteht, füllen Mitarbeitende sie selbst mit Werkzeugen, die niemand überprüft und überwacht.
Shadow AI erzeugt Risiken, die für Organisationen im schlimmsten Fall sogar existenzbedrohend werden können:
Unkontrollierter Datenabfluss: Hochsensible Informationen wie Kundendaten, interne Strategiedokumente, Geschäftsgeheimnisse oder personenbezogene Informationen werden in Modelle eingegeben, deren Trainingsdatennutzung und Datenspeicherung unklar ist. Für europäische Unternehmen in regulierten Branchen ist das kein theoretisches Szenario: Es passiert täglich und birgt ein großes Risiko für Datenschutzverletzungen und sich daraus ergebenden Strafzahlungen.
Fehlender Audit-Trail: Welcher Mitarbeitende hat welches Modell mit welchen Daten genutzt? Diese Frage lässt sich bei Shadow AI nicht beantworten und damit auch nicht gegenüber Aufsichtsbehörden oder Auditoren. Gerade regulierte Unternehmen müssen jedoch entsprechende Nachweise erbringen, welche die Einhaltung aller Compliance-Anforderungen lückenlos und revisionssicher belegen.
CLOUD-Act-Exposition und Drittlandtransfer: Die meisten führenden KI-Tools werden von US-amerikanischen Anbietern betrieben. Damit unterliegen sie potenziell dem US CLOUD Act, der US-Behörden Zugriff auf Daten von in den USA tätigen Anbietern ermöglicht – selbst wenn die Daten formal auf europäischen Servern verarbeitet werden. Hinzu kommt die Frage der Zulässigkeit des Datentransfers selbst: Auch unter dem EU-US Data Privacy Framework bleibt das behördliche Zugriffsrisiko ein Diskussionspunkt. Für Organisationen, die personenbezogene Daten europäischer Bürgerinnen und Bürger verarbeiten, stellt das ein strukturelles DSGVO-Risiko dar.
Fehlende Kostentransparenz: Abteilungsweise Einzelabos sind schwer zu konsolidieren und noch schwerer zu steuern. Was heute fünf Abos zu je 20 Euro sind, wird mit wachsender Nutzung schnell zu einem unkontrollierten Kostenblock, ohne dass eine zentrale Stelle einen Überblick hat. Besonders kritisch wird dies beim Einsatz von APIs und agentischen KI-Werkzeugen, die nach Tokenverbrauch abgerechnet werden: Sie arbeiten weitgehend selbstständig, rufen externe Schnittstellen auf und durchlaufen mehrstufige Schleifen. Dabei verbrauchen sie ein Vielfaches der Tokens einer einfachen Abfrage. Zwei öffentlich gewordene Fälle verdeutlichen, wie schnell verbrauchsbasierte KI-Abrechnung ohne zentrale Budgetierung und Echtzeit-Überwachung zu einem unkalkulierbaren betrieblichen Risiko wird:
Bei Uber war das gesamte für 2026 geplante Budget für KI-Coding-Tools bereits nach vier Monaten aufgebraucht. Die Entwicklungsabteilung verursachte in dieser Zeit monatliche API-Kosten zwischen 500 und 2.000 US-Dollar pro Person. Daraufhin beschränkte das Unternehmen die monatlichen Token-Ausgaben pro Agentic-Coding-Tool wie Claude Code oder Cursor auf 1.500 US-Dollar.
Laut Medienberichten gab ein nicht namentlich genanntes Großunternehmen innerhalb eines einzigen Monats rund 500 Millionen US-Dollar für die Nutzung von Anthropics Claude aus, weil die IT-Abteilung es versäumt hatte, für die Mitarbeiterlizenzen verbindliche Nutzungslimits oder Budgetdeckel einzurichten.
Shadow AI bietet kurzfristig Produktivität, birgt aber langfristige Compliance-, Sicherheits- und Kostenrisiken. Und sie macht genau jene Nachweisbarkeit unmöglich, die Regulierungen wie der EU AI Act, die DSGVO oder NIS-2 einfordern.
Manche Organisationen reagieren auf Shadow AI mit einem Nutzungsverbot. Das ist verständlich, in der Praxis aber meist wirkungslos.
Verbote ohne Alternativen schaffen keine Compliance. Sie treiben die Nutzung in noch weniger sichtbare Kanäle und erhöhen den Frustrationspegel der Mitarbeitenden. Wer KI-Produktivität verbietet, während Wettbewerber sie nutzen, gefährdet zudem die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Die zentrale Frage muss daher lauten, wie KI so bereitgestellt und ausgerollt werden kann, dass Nutzung und Kontrolle kein Widerspruch sind.
Die Antwort auf Shadow AI ist kein Verbot, sondern eine freigegebene KI-Infrastruktur, die Mitarbeitenden das gibt, was sie brauchen, und Organisationen die Kontrolle, die sie benötigen. Dafür haben sich in der Praxis drei Wege etabliert. Sie schließen sich nicht aus, unterscheiden sich aber deutlich in Reichweite, Kontrolltiefe und Souveränität.
Der direkte Weg: Die Organisation schließt einen Enterprise- oder Team-Vertrag direkt mit einem Anbieter wie OpenAI, Anthropic oder Google ab und stellt ihn den Mitarbeitenden zur Verfügung.
Vorteile:
Schnell eingeführt
Vertraute Oberfläche
In der Regel vertragliche Zusicherung, dass Eingaben nicht zum Training verwendet werden
Für einen ersten kontrollierten Einstieg oft ausreichend
Nachteile:
Bindung an einen einzigen Anbieter und dessen Modelle
Kein Modellwechsel ohne Bruch möglich
Die Daten verlassen weiterhin die eigene Infrastruktur und liegen bei einem meist US-basierten Anbieter, womit CLOUD-Act-Exposition und Drittlandtransfer bestehen bleiben.
Kauft jede Abteilung ihren eigenen Enterprise-Account, entstehen erneut fragmentierte Verträge, uneinheitliche Kostenkontrolle und keine übergreifende Auditierbarkeit.
Spezialisierte Plattformen bündeln mehrere Modelle unter einer gemeinsamen Oberfläche, oft mit geteiltem Chat-Interface, Projekten und Nutzerverwaltung. Sie zielen darauf, KI breit in der Organisation nutzbar zu machen und Shadow AI durch ein attraktives, freigegebenes Angebot zu verdrängen.
Vorteile:
Hoher Produktivitätsnutzen für die gesamte Belegschaft
Ein zentraler Zugang statt vieler Einzelabos
Meist Zugriff auf mehrere Modelle
Reduziert den Anreiz zur Schatten-KI-Nutzung spürbar
Nachteile:
Der Reifegrad bei Sicherheit, Auditierbarkeit und Souveränität variiert stark.
Nicht jede Plattform bietet konfigurierbare Guardrails, revisionssichere Audit-Logs oder Betrieb auf europäischer Infrastruktur ohne CLOUD-Act-Exposition.
Für regulierte Organisationen ist genau zu prüfen, ob die Compliance-Nachweise den Anforderungen aus DSGVO, EU AI Act und NIS-2 standhalten.
Ein AI Gateway funktioniert als Governance-Plattform zwischen Nutzenden und KI-Modellen. Statt dass jede Abteilung direkt auf externe Modelle zugreift, laufen alle Anfragen über einen einzigen, kontrollierten Endpunkt. Damit werden die zentralen Steuerungsentscheidungen einmal getroffen und gelten für die gesamte Organisation.
Vorteile:
Volle Sichtbarkeit, weil jeder Prompt und jede Antwort protokolliert und bis auf Nutzerebene auswertbar sind, als Audit-Grundlage, nicht als Überwachungsinstrument.
Konfigurierbare Guardrails legen zentral fest, welche Daten das Unternehmen nicht verlassen dürfen und welche Modelle für welche Szenarien freigegeben sind.
Modellvielfalt ohne Vendor-Lock-in über einen Endpoint, kombinierbar mit europäischen LLMs und lokal gehosteten Open-Source-Modellen.
Kostensteuerung über individuelle Budgets nach Organisation, Team oder Nutzenden, mit exakter Sichtbarkeit, wer was auf welchem Modell ausgibt.
Nachteile:
Ein Gateway ist eine Infrastrukturkomponente und erfordert eine initiale Einrichtung, etwa das Anbinden der Modelle und das Konfigurieren von Guardrails, Rollen und Budgets.
Der Nutzen entfaltet sich mit dem Grad der Konfiguration, ein Enterprise-Account oder eine fertige Plattform sind im ersten Moment schneller startklar.
Die drei Wege lassen sich auch kombinieren. Für Organisationen mit sensiblen Daten und regulatorischer Nachweispflicht bietet der Myra AI Workspace die größte Kontroll- und Souveränitätstiefe, weil er Modellvielfalt, Governance und europäischen Betrieb mit Datensouveränität by Design an einem Punkt zusammenführt.
Shadow AI zeigt, dass Mitarbeitende KI nutzen wollen und können. Organisationen, die dieses Signal ernst nehmen und mit einer zentralen, datenschutzkonform betriebenen KI-Infrastruktur adressieren, die Shadow AI strukturell überflüssig macht, gewinnen auf beiden Seiten: Produktivität und Kontrolle, Enablement und Nachweisbarkeit.
AI Workspace wird von Myra Security auf eigener EU-Infrastruktur, ohne US-Mutterkonzern und CLOUD-Act-Exposition betrieben. Myra ist BSI-qualifiziert für KRITIS-Betreiber und nach ISO 27001 auf Basis von BSI IT-Grundschutz, BSI C5 Typ 2, PCI DSS und weiteren Standards zertifiziert. Zu den Organisationen, die auf die Infrastruktur von Myra vertrauen, zählen unter anderem die Deutsche Kreditbank (DKB), 1&1 Versatel, Aleph Alpha, die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) und Edeka.
Sprechen Sie mit unserem Vertrieb und erfahren Sie, wie Sie mit Myra AI Workspace KI in Ihrer Organisation sicher nutzbar, steuerbar und Compliance-konform machen.
Björn Greif
Senior Editor
Björn Greif startete seine Redakteurskarriere 2006 beim IT-Nachrichtenportal ZDNet. 10 Jahre und exakt 12.693 Artikel später engagierte er sich beim deutschen Start-up Cliqz für mehr Privatsphäre und Datenschutz im Web. Vom Datenschutz zur IT-Sicherheit war es dann nur noch ein kleiner Schritt: Seit 2020 schreibt Björn bei Myra über die neusten Trends und Entwicklungen in der Welt der Cybersecurity.
