GovGPT und Alternativen für Behörden in Österreich
GovGPT ist kein Produkt, das man bestellen kann. Es ist der KI-Assistent, den das Bundeskanzleramt seit 20. Juli 2026 in der Bundesverwaltung ausrollt, betrieben auf der KI-Infrastruktur des Bundesrechenzentrums. Wer in einem Bundesministerium arbeitet, bekommt ihn früher oder später an den Arbeitsplatz. Wer bei einem Land, einer Gemeinde, einer Kammer oder einem ausgegliederten Rechtsträger arbeitet, hat ihn bis heute nicht, und um diese Gruppe geht es im zweiten Teil dieser Seite.
Vorab, damit keine falschen Erwartungen entstehen: Wir verkaufen KI-Arbeitsplätze, und für Bundesressorts halten wir GovGPT für die richtige Wahl. Was wir hier über GovGPT schreiben, stammt aus Veröffentlichungen von Bundeskanzleramt, Digital Austria und BRZ, Stand 11.10.2026. Den Namen GovGPT verwenden übrigens auch Projekte anderer Staaten; gemeint ist hier ausschließlich das österreichische.
Vom Ministerrat bis zum Rollout
Am 19. März 2026 hat die Bundesregierung die Initiative Public AI per Ministerratsvortrag beschlossen. Ihr Fundament ist eine gemeinsame Plattform im Bundesrechenzentrum, „LLM-as-a-Service“ oder kurz LLMaaS. Sie nutzt laut Vortrag europäische Sprachmodelle, Digital Austria spricht von Open-Source-Modellen und nennt mehr als 15 GPUs. GovGPT ist die erste Anwendung, die Bedienstete direkt zu sehen bekommen.
Am 20. Juli begann der Rollout im Bundeskanzleramt, ab 21. Juli folgte das Finanzministerium, am 28. Juli das Sozialministerium. Für das Infrastruktur- und das Bildungsministerium wurde der Start für August vorbereitet. Pilotnutzerinnen und -nutzer gab es da laut Bundeskanzleramt schon in allen Ressorts, und das Ziel sind mehr als 180.000 Bundesbedienstete. Anfang September meldete das Bundeskanzleramt, GovGPT sei produktiv im Einsatz.
Was der Assistent kann, beschreibt das Bundeskanzleramt nüchtern. Im freien Chat entstehen Textentwürfe und erste Analysen, lange Dokumente werden zusammengefasst, und in eigenen Wissensbibliotheken lassen sich mehrere Dokumente bündeln und gezielt abfragen. Zum Einstieg gibt es FAQs, ein How-to-Booklet, Prompting-Hilfen und Kurse der Verwaltungsakademie des Bundes.
Beim Datenschutz ist die Aussage klar: Anfragen und hochgeladene Dokumente werden auf der KI-Basisinfrastruktur des Bundesrechenzentrums verarbeitet, laut Bundeskanzleramt „nicht an Dritte weitergegeben und nicht zum Training verwendet“. Hinzu kommt ein Satz, den wir jeder Dienststelle ins Stammbuch schreiben würden, egal mit welchem Werkzeug sie arbeitet: „Die Verantwortung bleibt beim Menschen: KI-Ergebnisse müssen geprüft und eingeordnet werden.“
Wer GovGPT heute nutzen kann
| Organisation | Stand laut Bundeskanzleramt und Ministerratsvortrag | Was das praktisch heißt |
|---|---|---|
| Bundesministerien | Rollout seit 20.07.2026, Ressort für Ressort; Pilotnutzer in allen Ressorts | Auf GovGPT setzen. Laut Ministerratsvortrag sollen Ressorts die Anbindung an LLMaaS bevorzugen |
| Weitere Bundesorganisationen | Gespräche über eine künftige Nutzung | Beim Bundeskanzleramt nach Zeitplan und Bedingungen fragen |
| Länder und Gemeinden | Gespräche laufen; die BRZ-Infrastruktur soll „künftig auch Ländern und Gemeinden zugänglich gemacht“ werden | Noch kein veröffentlichter Termin. Übergangslösung prüfen oder warten |
| Kammern, Sozialversicherung, ausgegliederte Rechtsträger | In den Veröffentlichungen nicht genannt | Eigene Lösung nötig, solange nichts anderes angekündigt ist |
| Unternehmen und Private | Kein Angebot; GovGPT ist für die Bundesverwaltung entwickelt | Eigene Lösung |
Die Tabelle gibt den Stand vom 11.10.2026 wieder. Sobald der Bund die Plattform für Länder und Gemeinden öffnet, verschiebt sich die Rechnung. Ein gemeinsamer Dienst mit bereits geprüftem Betrieb wäre dann für viele Gemeinden die einfachste Lösung, und wir würden das auch so sagen.
Was Länder, Gemeinden und Kammern bis dahin tun können
Der erste Weg ist abzuwarten und die Zeit für Vorarbeit zu nutzen. Eine Bestandsaufnahme, welche Datenklassen überhaupt in ein KI-Werkzeug dürfen, brauchen Sie ohnehin, und die Personalvertretung wird bei jedem dieser Werkzeuge mitreden wollen, in vielen Fällen auch müssen. Wer damit fertig ist, wenn GovGPT kommt, verliert nichts. Riskant wird Warten dort, wo Beschäftigte längst private Chatbots verwenden, weil es nichts Offizielles gibt.
Der zweite Weg ist ein eigener Betrieb. Offene Sprachmodelle lassen sich in einem Landesrechenzentrum betreiben, wenn dort genug IT-Personal sitzt. Unterschätzen Sie den Aufwand trotzdem nicht. Zu GPUs und Modell kommen Oberfläche, Rechteverwaltung, Protokollierung und Updates, und das alles mit eigenem Personal, auf Dauer.
Bleibt als dritter Weg ein gekaufter KI-Arbeitsplatz. Dafür sprechen kurze Einführungszeiten und dass jemand anderer den Betrieb verantwortet. Dagegen spricht, dass Sie genau hinschauen müssen, wo die Modelle laufen und wer die Server betreibt. Klären Sie außerdem, welche Daten an welchen Anbieter gehen. Hier lohnt der Vergleich mit dem, was GovGPT für den Bund verspricht: Verarbeitung auf staatlicher Infrastruktur, kein Training, keine Weitergabe.
Wo Myra AI Workspace hineinpasst
Für Organisationen ohne Zugang zu GovGPT ist Myra AI Workspace eine Option. Die Myra-Modelle laufen auf Myras eigener EU-Infrastruktur in Deutschland, und AI Workspace läuft auf BSI-C5-Typ-2-testierter Myra-Infrastruktur. In bezahlten Self-Serve-Tarifen setzen die Myra-Modelle das Zusatzpaket „EU-Gov“ voraus. Betrieb in weiteren Ländern ist auf Anfrage grundsätzlich möglich, ebenso ein Betrieb on-premises, etwa im Rechenzentrum eines Landes.
Neben den eigenen Modellen erlaubt Myra auch externe Spitzenmodelle, wenn die Administration sie freigibt. Damit das kontrolliert bleibt, bekommt jedes Projekt eine Zugriffsstufe. Mit „Nur lokal“ sind nur Myra-Modelle erlaubt, Websuche und externe Tools sind gesperrt. Neben der Modellauswahl zeigt eine farbige Anzeige vor jedem Senden, was passiert: Grün („Lokales Modell“, „Lokal + Maskierung“) heißt, die Anfrage bleibt bei einem Myra-Modell. Gelb („Datenschutz an“) heißt, ein externes Modell antwortet, bekommt personenbezogene Daten aber nur als Platzhalter, die in der Antwort wieder durch die echten Werte ersetzt werden. Diese Maskierung gibt es in allen Tarifen; rechtlich ist sie eine Pseudonymisierung. Rot („Datenschutz aus“) heißt, der Text geht unverändert an einen externen Anbieter.
Für die Verwaltung relevant sind außerdem Agenten und Workflows mit Freigabeschritten, die Anmeldung per SSO (OIDC oder SAML) mit SCIM und der Export aller Daten in offenen Formaten bei Vertragsende. Myra verwendet Kundendaten nicht zum Training von KI-Modellen. Admin-Änderungen und Sicherheitsereignisse werden protokolliert, bei Bedarf manipulationserkennbar per Hash-Kette. Eine eigene Protokollansicht für Kunden-Admins gibt es nicht, und die Oberfläche gibt es auf Deutsch und Englisch.
Welche Rechtsgrundlage die Hoheitsverwaltung für KI mit personenbezogenen Daten braucht und was die Datenschutzbehörde dazu sagt, steht im Ratgeber KI in Österreich. Die Pflichten aus dem AI Act, von der KI-Kompetenz bis zur Kennzeichnung, beschreibt AI Act in Österreich, und Grundsätzliches zur Verwaltung finden Sie unter KI in der öffentlichen Verwaltung.
Häufige Fragen
Was ist GovGPT?
GovGPT ist der KI-Assistent der österreichischen Bundesverwaltung und die erste verwaltungsinterne Anwendung der Initiative Public AI von Bundeskanzleramt und Bundesrechenzentrum. Bedienstete entwerfen damit Texte, fassen lange Dokumente zusammen und legen Wissensbibliotheken an, die sie gezielt abfragen können. Verarbeitet wird laut Bundeskanzleramt auf der KI-Basisinfrastruktur des Bundesrechenzentrums. Ein Produkt, das man kaufen oder lizenzieren könnte, ist GovGPT nicht.
Kann unsere Gemeinde oder unser Land GovGPT schon nutzen?
Nach den veröffentlichten Informationen noch nicht. Das Bundeskanzleramt schrieb beim Start im Juli 2026, Gespräche über eine künftige Nutzung liefen auch mit den Ländern und den Gemeinden. Im Ministerratsvortrag vom März steht, die KI-Infrastruktur des BRZ werde künftig auch Ländern und Gemeinden zugänglich gemacht. Einen Termin oder ein Beitrittsverfahren haben wir bis 11.10.2026 nicht gefunden. Wenn Sie das genauer wissen wollen, fragen Sie über Ihre Landesverwaltung beim Bundeskanzleramt nach.
Welche Sprachmodelle stecken hinter GovGPT?
Das Bundeskanzleramt nennt für GovGPT selbst kein Modell. Die Plattform darunter heißt LLM-as-a-Service und läuft im Bundesrechenzentrum. Laut Ministerratsvortrag nutzt sie europäische Sprachmodelle, Digital Austria spricht von Open-Source-Modellen, und das BRZ schreibt beim Bürger-Chatbot ida, LLMaaS werde vollständig mit europäischen KI-Modellen im BRZ betrieben. Welches Modell GovGPT im Einzelnen verwendet, haben wir in den Primärquellen nicht gefunden.
Sollte ein Bundesministerium statt GovGPT ein anderes Werkzeug kaufen?
In aller Regel nicht. Der Ministerratsvortrag hält die Ressorts an, bei Eigenentwicklungen und Beschaffungen die Anbindung an LLMaaS zu bevorzugen, und GovGPT wird in den Ressorts bereits ausgerollt. Ein gekauftes Werkzeug ergibt im Bund höchstens für Aufgaben Sinn, die GovGPT nicht abdeckt, und auch dann sollte vorher geklärt sein, ob das mit der gemeinsamen KI-Architektur vereinbar ist.
Quellen
- Bundeskanzleramt: Pröll launcht „Public AI“, 5 konkrete KI-Anwendungen für Österreichs Bundesverwaltung (19.03.2026), abgerufen am 11.10.2026
- Ministerratsvortrag 45a/1: Public AI Initiative zur Modernisierung der Verwaltung (19.03.2026, PDF), abgerufen am 11.10.2026
- Bundeskanzleramt: Pröll: Public AI launcht GovGPT für die Bundesverwaltung (20.07.2026), abgerufen am 11.10.2026
- Bundeskanzleramt: Pröll: Österreich gewinnt eGovernment-Wettbewerb mit Public AI (03.09.2026), abgerufen am 11.10.2026
- Digital Austria: KI in der Verwaltung (Public AI), abgerufen am 11.10.2026
- Digital Austria: Use Case GovGPT, abgerufen am 11.10.2026
- BRZ: Technischer Hintergrund zu ida, der intelligenten digitalen Assistenz, abgerufen am 11.10.2026
- BRZ: Mehrfache Auszeichnungen für KI-Initiativen des Bundeskanzleramts und BRZ, abgerufen am 11.10.2026