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Aktualisiert am 11.10.2026

ChatGPT in der Schweiz: was Unternehmen nach dem DSG klären müssen

ChatGPT ist in der Schweiz offiziell verfügbar, und verboten ist es auch nicht. Freigegeben hat es aber niemand. Der EDÖB hat 2023 erklärt, er habe ChatGPT nicht im Rahmen einer Sachverhaltsabklärung untersucht, und äussert sich deshalb nicht dazu, ob die Anwendung datenschutzkonform ist. Die Verantwortung liegt also bei Ihnen. Rechtlich ist das meiste lösbar, solange Sie wissen, wohin ein Prompt aus Ihrem Büro tatsächlich geht. Bei OpenAI ist das zuerst Dublin, und danach in vielen Fällen die USA.

Diese Seite folgt deshalb dem Weg einer Eingabe. Was das DSG allgemein für KI-Werkzeuge verlangt, von der Folgenabschätzung bis zur FINMA, steht in unserem Ratgeber KI in der Schweiz. Hier geht es um ChatGPT selbst. Alle Angaben zu OpenAI haben wir am 11.10.2026 auf den Seiten von OpenAI geprüft.

Zuerst nach Dublin

Kunden mit Sitz in der Schweiz schliessen den Vertrag nicht mit der amerikanischen OpenAI-Gesellschaft, sondern mit OpenAI Ireland Ltd. Das steht so im Services Agreement und im Auftragsbearbeitungsvertrag, den OpenAI «Data Processing Addendum» nennt. Es gilt irisches Recht, Gerichtsstand ist Dublin. Auch für private Konten ist laut Datenschutzerklärung die irische Gesellschaft verantwortlich, und Schweizer Nutzer verweist sie ausdrücklich an den EDÖB.

Für das DSG ist dieser erste Schritt unproblematisch. Irland steht in Anhang 1 der Datenschutzverordnung, und Personendaten dürfen nach Art. 16 Abs. 1 DSG in Staaten mit angemessenem Schutz bekanntgegeben werden. Wer aber hier aufhört zu prüfen, hat nur die halbe Strecke angeschaut.

Dann weiter in die USA

OpenAI schreibt in der Datenschutzerklärung für Europa und die Schweiz offen, dass Personendaten auch auf Servern in den USA bearbeitet und gespeichert werden. Bei ChatGPT Business ist das selbst dann so, wenn Sie eine Speicherregion gewählt haben. Laut Hilfeartikel liegt eine Kopie jedes Prompts und jeder Antwort für eine begrenzte Zeit in den USA, zur Missbrauchserkennung.

Die USA stehen ebenfalls in Anhang 1 DSV, aber mit einer Einschränkung. Angemessen ist der Schutz nur für Organisationen, die nach dem Datenschutzrahmen Schweiz–USA zertifiziert sind. In der offiziellen Teilnehmerliste fanden wir am 11.10.2026 unter «OpenAI» keinen aktiven Eintrag. Der Weg über den Datenschutzrahmen fällt damit für OpenAI selbst aus, soweit wir sehen.

Was stattdessen gilt, regelt Ziffer 4.1 des Auftragsbearbeitungsvertrags. OpenAI Ireland gibt Daten aus dem EWR und der Schweiz an Konzerngesellschaften und Dritte ausserhalb weiter, und zwar auf Grundlage von Standardvertragsklauseln oder eines Angemessenheitsbeschlusses der EU-Kommission. Für Schweizer Daten ist das eine eigenartige Formulierung. Massgeblich ist nach Art. 16 Abs. 2 lit. d DSG, ob die Klauseln vom EDÖB genehmigt, ausgestellt oder anerkannt sind, und über Angemessenheit entscheidet in der Schweiz der Bundesrat. Fragen Sie OpenAI deshalb schriftlich, welche Klauseln mit welchen Schweizer Anpassungen für Ihre Daten gelten. Die Antwort gehört in Ihre Akte.

Das ist keine Formalie. Wer vorsätzlich Personendaten ins Ausland bekanntgibt, ohne dass Art. 16 oder 17 DSG erfüllt sind, riskiert nach Art. 61 lit. a DSG eine Busse bis 250'000 Franken, und zwar persönlich. Dasselbe gilt nach lit. b, wenn ein Auftragsbearbeiter ohne die Prüfung nach Art. 9 Abs. 2 DSG beauftragt wurde.

Und zurück in Ihre Datenschutzerklärung

Nach Art. 19 Abs. 4 DSG müssen Sie den Betroffenen sagen, in welche Staaten Sie Personendaten bekanntgeben, und auf welche Garantien Sie sich stützen. Wer ChatGPT mit Kundendaten nutzt, schreibt also nicht nur «Irland» hinein. Ehrlicherweise gehören auch die USA dazu, zusammen mit dem Hinweis auf Standardvertragsklauseln.

Was die Tarife für Schweizer Firmen ändern

Free, Go, Plus (privat) ChatGPT Business ChatGPT Enterprise
Vertrag mit Ihrem Unternehmen keiner, die Person ist selbst Kundin Services Agreement und Auftragsbearbeitungsvertrag mit OpenAI Ireland wie Business, dazu individuelle Bedingungen möglich
Training mit Eingaben abschaltbar über «Improve the model for everyone» standardmässig aus standardmässig aus
Speicherort laut Datenschutzerklärung auch USA Regionswahl wird laut Hilfe schrittweise eingeführt, die Preisseite sagt «No»; Kopie in den USA bleibt Region «Europe (EEA + Switzerland)» für neue, berechtigte Kunden
Ort der Berechnung nicht wählbar nicht wählbar Europa wählbar, mit Ausnahmen für Routing und Analytics
Datenschutzrahmen Schweiz–USA OpenAI nicht in der Liste (Stand 11.10.2026) wie links wie links

Bei Enterprise lohnt es, den Namen der Region zweimal zu lesen. «Europe (EEA + Switzerland)» bedeutet, dass auch Schweizer Kunden diese Region buchen dürfen. Von einem Rechenzentrum in der Schweiz ist nirgends die Rede. Dem DSG ist das egal, eine Speicherung in Irland oder Deutschland ist nach Anhang 1 DSV in Ordnung. Ihrer Geschäftsleitung womöglich nicht, falls dort jemand «unsere Daten bleiben im Land» in eine Präsentation geschrieben hat.

Was der EDÖB von Ihnen erwartet

Viel hat das Amt zu ChatGPT nicht gesagt, und das Wenige ist knapp. Im April 2023, Italien hatte ChatGPT gerade vorläufig gesperrt, kam der Hinweis an Unternehmen, sie müssten selbst für die Einhaltung des Datenschutzes sorgen und die Nutzer «transparent und verständlich» informieren. Ein halbes Jahr später schob der EDÖB nach, das DSG gelte für KI ohne Umweg. Wer mit einem Sprachmodell schreibt, hat demnach ein Recht darauf zu erfahren, ob seine Eingaben «zur Verbesserung der selbstlernenden Programme» weiterverwendet werden. Am Datenschutztag 2026 klang es nicht anders.

Für den internen Einsatz folgt daraus etwas sehr Praktisches. Ihre Mitarbeitenden müssen wissen, ob ein Prompt ins Training gehen kann, und bei ChatGPT ist die Antwort etwas verwickelter, als man zuerst denkt. Bei Business und Enterprise ist das Training standardmässig aus. Wer aber eine Antwort mit Daumen hoch oder runter bewertet, kann laut OpenAI die ganze Unterhaltung dafür freigeben. Das sollte in Ihrer Weisung stehen, mit einem Satz.

Berufsgeheimnis, Bankgeheimnis und FINMA

Bei Anwältinnen, Ärzten, Revisoren und ihren Hilfspersonen hört die Datenschutzprüfung nicht beim DSG auf. Art. 321 StGB stellt das Offenbaren anvertrauter Geheimnisse unter Strafe, und Art. 9 Abs. 1 lit. b DSG verbietet die Auslagerung an einen Auftragsbearbeiter, wenn eine Geheimhaltungspflicht entgegensteht. Ob ein KI-Anbieter als Hilfsperson gelten kann, ist in der Schweiz nicht gerichtlich geklärt. Am sichersten ist die Einwilligung der Berechtigten nach Art. 321 Ziff. 2 StGB, im Alltag ist sie aber selten praktikabel.

Für Banken und Versicherungen kommen Bankgeheimnis und die Aufsichtsmitteilung 08/2024 der FINMA hinzu. Beides haben wir im Ratgeber KI in der Schweiz ausführlich beschrieben, deshalb hier nur so viel: Mit einem privaten ChatGPT-Konto sollte in diesen Branchen niemand arbeiten.

Für Schweizer Unternehmen beginnt KI mit einer einfachen Frage: Wo liegen unsere Daten? Bei Myra auf Wunsch in der Schweiz. Sascha Schumann, CEO Myra Security

Wenn die Daten in der Schweiz liegen sollen

Für manche Organisationen ist die Speicherung im Land eine Vorgabe der Geschäftsleitung, unabhängig davon, was das DSG verlangt. Myra AI Workspace läuft standardmässig auf Myra-Infrastruktur in Deutschland. Auf Wunsch werden Ihre Daten in der Schweiz gespeichert, auf Myras eigener Infrastruktur dort, die vom BSI-C5-Typ-2-Testat erfasst ist. Gerechnet wird auch dann nicht in der Schweiz. Die Inferenz der Myra-Modelle läuft auf Myras EU-Infrastruktur, für diese Modelle gehört in Ihre Datenschutzerklärung also «Deutschland», ein Staat aus Anhang 1 DSV. Lassen Sie externe Modelle zu, kommen deren Staaten hinzu. Wer auch die Berechnung im eigenen Haus haben will, kann AI Workspace auf Anfrage on-premises betreiben.

Zur Rechtsordnung ein reines Faktum, die Bewertung überlassen wir Ihnen: Myra Security GmbH hat weder eine US-Muttergesellschaft noch eine US-Tochtergesellschaft.

Im Alltag zählt vor allem, dass Sie pro Projekt festlegen, welches Modell welche Daten sehen darf. Ein Projekt mit der Zugriffsstufe «Nur lokal» lässt nur Myra-Modelle zu; Cloud-Modelle und Websuche sind dort gesperrt. In bezahlten Self-Serve-Tarifen setzen die Myra-Modelle das Paket «EU-Gov» voraus. Erlauben Sie in einem anderen Projekt ein externes Modell, zum Beispiel eines von OpenAI, ersetzt Myra Personendaten vorher durch Platzhalter. Diese Maskierung gibt es in allen Tarifen. Eine EU-Untergrenze für externe Modelle lässt sich einschalten, ab Werk ist sie aus. Myra verwendet Kundendaten nicht zum Training von KI-Modellen. Für Kanzleien bietet Myra eine Verschwiegenheitsverpflichtung nach deutschem Recht an (§ 203 StGB, § 43e BRAO); ob sie für Art. 321 StGB genügt, klären Sie bitte mit Ihrer Beratung.

Zwei Grenzen sagen wir lieber gleich. Die Oberfläche gibt es auf Deutsch und Englisch, für Teams in der Romandie oder im Tessin ist das ein Nachteil. Und wer ausschliesslich mit OpenAI-Modellen arbeiten will und mit einer Speicherung im EWR leben kann, ist mit ChatGPT Enterprise und der europäischen Region gut bedient. Was Business und Enterprise im Detail unterscheidet, lesen Sie im Ratgeber ChatGPT Business.

Häufige Fragen

Ist ChatGPT in der Schweiz erlaubt?

Ja. ChatGPT ist in der Schweiz offiziell verfügbar, OpenAI führt das Land in seiner Liste unterstützter Länder. Ein Verbot gibt es nicht, auch keine Freigabe durch den EDÖB, der sich zur Datenschutzkonformität von ChatGPT ausdrücklich nicht geäussert hat. Ob der Einsatz in Ihrem Unternehmen zulässig ist, hängt deshalb an Ihnen: an Tarif und Vertrag, an der Information der Betroffenen und daran, welche Daten überhaupt eingegeben werden.

Speichert OpenAI Daten in der Schweiz?

Einen Standort in der Schweiz nennt OpenAI nicht. Für ChatGPT Enterprise gibt es eine Region mit dem Namen «Europe (EEA + Switzerland)», in der neue, berechtigte Kunden ihre Inhalte speichern und auch rechnen lassen können. Wo genau in dieser Region die Server stehen, steht in den Hilfeartikeln nicht. Bei ChatGPT Business wird eine Regionswahl laut OpenAI erst schrittweise eingeführt, und eine Kopie jedes Prompts liegt dann trotzdem eine Zeit lang in den USA.

Dürfen Mitarbeitende Kundendaten in ChatGPT eingeben?

Mit einem privaten Account sollten sie das nicht tun, weil dann kein Auftragsbearbeitungsvertrag zwischen Ihrem Unternehmen und OpenAI besteht. Mit Business oder Enterprise ist es möglich, wenn Sie die Bekanntgabe in die USA abgesichert, die Datenschutzerklärung angepasst und die Mitarbeitenden instruiert haben. Bei Daten unter einem Berufs- oder Bankgeheimnis kommt eine eigene Prüfung dazu. Dort ist oft die einfachere Lösung, solche Daten gar nicht an ein externes Modell zu geben.

Brauchen wir für ChatGPT eine Datenschutz-Folgenabschätzung?

Häufig ja. Art. 22 DSG verlangt sie bei voraussichtlich hohem Risiko, und das Gesetz nennt ausdrücklich die Verwendung neuer Technologien als Umstand, aus dem sich ein hohes Risiko ergeben kann. Für ein Team, das Werbetexte ohne Personendaten schreibt, wird die Abklärung kurz ausfallen. Für einen Kundendienst, der Dossiers hochlädt, eher nicht. Schreiben Sie die Begründung in beiden Fällen auf.

Quellen

Dieser Beitrag gibt einen Überblick (Stand: Oktober 2026) und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.