SwissGPT oder Myra AI Workspace? Ein Vergleich für die Schweiz
Wer «SwissGPT» sucht, landet bei der AlpineAI AG in Davos. Ihr KI-Arbeitsplatz heisst auf der eigenen Website inzwischen «AlpineAI Plattform», in den AGB steht weiter «SwissGPT-Plattform». Gemeint ist dasselbe Produkt, und es hat eine klare Linie: Daten und Sprachmodelle liegen in der Schweiz, auf Hardware, die AlpineAI selbst gehört und selbst betreibt. Myra AI Workspace ist anders gebaut. Die Myra-Modelle rechnen auf Myras eigener EU-Infrastruktur, externe Spitzenmodelle lassen sich zuschalten, und gespeichert wird auf Wunsch in der Schweiz.
Damit ist die wichtigste Frage für Ihre Wahl schon gestellt. Darf ein Sprachmodell Ihre Daten ausserhalb der Schweiz verarbeiten, ja oder nein? Lautet die Antwort Nein, und zwar für die Daten, um die es Ihnen eigentlich geht, dann ist SwissGPT die naheliegende Wahl, und wir würden Ihnen nichts anderes raten.
Speicherung und Inferenz im Überblick
| SwissGPT (laut AlpineAI) | Myra AI Workspace | |
|---|---|---|
| Anbieter | AlpineAI AG, Davos | Myra Security GmbH, München |
| Speicherung der Inhalte | Eigene Hardware bei der RIZ AG, zwei georedundante Standorte in der Schweiz | Standardmässig Myra-Infrastruktur in Deutschland; Speicherung in der Schweiz optional |
| Wo die Modelle rechnen | Eigene Hardware bei der Green Datacenter AG und im Rechenzentrum Ostschweiz | Myra-Modelle auf Myras eigener EU-Infrastruktur¹, auch bei Speicherung in der Schweiz |
| Modelle | Primär Mistral Large 3, wird bei Bedarf gewechselt; keine Modell-APIs ausländischer Anbieter | Mehrere Myra-Modelle; externe Modelle (EU und, wenn erlaubt, international) zusätzlich wählbar |
| Modelle pro Projekt sperren | Entfällt, es gibt nur die selbst betriebenen Modelle | Zugriffsstufe «Nur lokal»: nur Myra-Modelle, Cloud-Modelle, Websuche und externe Tools gesperrt |
| Personendaten | Keine vorgängige Anonymisierung nötig; die Plattform ist für Klartext ausgelegt | Vor externen Modellen umkehrbare Maskierung, in allen Tarifen; bei Myra-Modellen nicht nötig |
| Websuche | Optional, dreistufiges Opt-in; Anfragedaten gehen dabei an einen externen Suchanbieter (Ziff. 2.5 AGB) | Optional; in «Nur lokal»-Projekten gesperrt |
| Amts- und Berufsgeheimnis | Zusatzvereinbarung nach Art. 320 ff. StGB; Dienstleistungen mit Klartext nur in der Schweiz | Verschwiegenheitsverpflichtung nach § 203 StGB und § 43e BRAO (deutsches Recht) |
| Zertifikate | ISO 27001:2022 und VDSZ, beide von der SQS; DSFA in mehreren Kantonen | Myra Security: ISO 27001 auf Basis von IT-Grundschutz; Myra-Infrastruktur BSI-C5-Typ-2-testiert |
| Training mit Kundendaten | Nein (Ziff. 4.4 AGB) | Myra verwendet Kundendaten nicht zum Training von KI-Modellen |
| Betriebsform | Cloud-Lösung (Ziff. 2.1 AGB); einen Betrieb beim Kunden nennt AlpineAI nicht | SaaS; on-premises auf Anfrage |
| Oberfläche und Sprachen | Oberfläche Deutsch und Englisch; verarbeitet alle Landessprachen, Listener auch Schweizerdeutsch | Oberfläche Deutsch und Englisch |
Wofür SwissGPT gebaut ist
AlpineAI zieht die Schweizer Linie konsequent durch. Plattform und Daten stehen zusammen mit der Inferenz bei drei Schweizer Rechenzentrumspartnern, die Server gehören AlpineAI, und die Rechenzentrumsbetreiber haben laut AlpineAI keinen logischen Zugriff auf Systeme oder Daten. Für Daten unter dem Amtsgeheimnis gibt es eine Zusatzvereinbarung, die sich ausdrücklich auf Art. 320 ff. StGB bezieht. Darin steht, dass Dienstleistungen, bei denen Klartext vorliegt, nur in der Schweiz erbracht werden. Für eine Gemeindeverwaltung oder eine KESB ist das oft der Satz, an dem die Beschaffung hängt.
Dazu kommt die VDSZ-Zertifizierung nach der Schweizer Verordnung über Datenschutzzertifizierungen. Laut AlpineAI wurde die Lösung ausserdem in mehreren Kantonen im Rahmen einer Datenschutz-Folgenabschätzung geprüft, was einer Behörde die eigene DSFA erleichtern dürfte.
Auch beim Alltag in der Verwaltung ist AlpineAI weit. Der «Listener» nimmt Gemeinderats- oder Kommissionssitzungen auf und macht daraus einen Protokollentwurf, Schweizerdeutsch eingeschlossen. Ein Outlook-Plugin gibt es ebenso wie Apps für iOS und Android, und an das Geschäftsverwaltungssystem eGeKo ist die Plattform nach eigener Angabe bereits produktiv angebunden. Den AVV mit der Liste der Subunternehmen samt Standort kann jeder herunterladen.
Wo Myra AI Workspace anders arbeitet
Myra setzt auf eine Auswahl an Modellen statt auf ein einziges. Die Myra-Modelle laufen auf eigener Infrastruktur in der EU, und wenn Ihre Administration es erlaubt, stehen daneben externe Spitzenmodelle zur Wahl. Welche Daten welches Modell sehen darf, legen Sie pro Projekt fest. Steht ein Projekt auf «Nur lokal», zeigt die Modellauswahl nur Myra-Modelle, und der Server lehnt alles andere ab. Im Projekt nebenan darf das Marketing trotzdem mit einem externen Modell arbeiten.
Neben der Modellauswahl zeigt eine farbige Anzeige vor jedem Senden, wohin die Eingabe geht. Grün («Lokales Modell», «Lokal + Maskierung») heisst, die Anfrage bleibt bei einem Myra-Modell. Bei Gelb («Datenschutz an») antwortet ein externes Modell, sieht Personendaten aber nur als Platzhalter; die echten Werte setzt Myra in der Antwort wieder ein. Rot («Datenschutz aus») bedeutet, dass der Text unverändert an einen externen Anbieter geht. Rechtlich bleibt die Maskierung eine Pseudonymisierung.
Zur Schweiz selbst: Myra betreibt eigene Infrastruktur in der Schweiz und kann AI Workspace dort betreiben. Wählen Sie das, werden Ihre Daten in der Schweiz gespeichert, auf Infrastruktur, die vom BSI-C5-Typ-2-Testat erfasst ist. Gerechnet wird aber weiterhin auf Myras EU-Infrastruktur. Das ist der Unterschied zu SwissGPT, und er ist nicht klein. Nach dem DSG ist eine Bearbeitung in Deutschland zulässig, weil Deutschland in Anhang 1 DSV steht; ob Ihnen das bei Geheimnisdaten genügt, ist eine andere Frage.
Weitere Punkte, die bei manchen Organisationen den Ausschlag geben: AI Workspace läuft auf BSI-C5-Typ-2-testierter Myra-Infrastruktur, was für Gruppen mit Gesellschaften in Deutschland eine Rolle spielen kann. Ausserdem gibt es AI Workspace auf Anfrage on-premises. Admin-Änderungen und Sicherheitsereignisse werden protokolliert, bei Bedarf manipulationserkennbar per Hash-Kette; eine eigene Protokollansicht für Kunden-Admins gibt es allerdings nicht.
Wer zu welchem Werkzeug greift
| Ausgangslage | Naheliegend | Warum |
|---|---|---|
| Gemeinde oder KESB mit Daten unter dem Amtsgeheimnis, Sitzungen auf Schweizerdeutsch | SwissGPT | Speicherung und Inferenz in der Schweiz, Zusatzvereinbarung nach Art. 320 ff. StGB, Listener |
| Team in der Romandie oder im Tessin, das mehrsprachig arbeitet | SwissGPT | Verarbeitung aller Landessprachen; Myra hat nur Deutsch und Englisch |
| Unternehmen, das neben einem eigenen Modell auch externe Spitzenmodelle nutzen will, aber nicht für alle Daten | Myra | Projektsperre «Nur lokal», Maskierung vor externen Modellen |
| Gruppe mit Gesellschaften in Deutschland und der Schweiz, C5 im Anforderungskatalog | Myra | Myra-Infrastruktur BSI-C5-Typ-2-testiert, Speicherung in der Schweiz optional |
| Organisation, die KI im eigenen Rechenzentrum betreiben möchte | Myra fragen, AlpineAI fragen | Myra bietet on-premises auf Anfrage; AlpineAI nennt dazu auf seinen Seiten nichts |
Für eine Kanzlei lässt sich die Tabelle nicht ohne Weiteres verlängern. Art. 321 StGB und das Anwaltsgesetz verlangen eine eigene Beurteilung. AlpineAI bietet eine Vereinbarung nach Schweizer Recht, Myra eine Verschwiegenheitsverpflichtung nach deutschem Recht. Ob die deutsche Fassung für Ihre Zwecke reicht, sollten Sie mit Ihrer Beratung klären, bevor Sie Mandatsdaten eingeben.
Was das DSG zur Auslandsbekanntgabe und zur DSFA verlangt, steht im Ratgeber KI in der Schweiz. Wie Sie ein C5-Testat lesen, erklärt C5-Testat des BSI, und das Produkt selbst finden Sie unter Myra AI Workspace.
Häufige Fragen
Was ist SwissGPT?
SwissGPT ist die KI-Plattform der AlpineAI AG mit Sitz in Davos. Auf der Website heisst sie inzwischen «AlpineAI Plattform», in den AGB und in den Seitentiteln taucht der Name SwissGPT aber weiter auf. Zum Funktionsumfang gehören ein Chat mit optionaler Websuche, Assistenten auf eigenen Dokumenten, Agenten und der «Listener» für Transkriptionen. AlpineAI richtet sich vor allem an das Gesundheitswesen, an Behörden und an Hochschulen. Mit swissgpt.ch hat das nichts zu tun, unter dieser Adresse stand am 11.10.2026 nur eine geparkte Domain.
Wo rechnen die Sprachmodelle bei SwissGPT und bei Myra?
Bei AlpineAI in der Schweiz. Die Inferenz läuft laut AlpineAI auf eigener Hardware bei der Green Datacenter AG und im Rechenzentrum Ostschweiz, Plattform und Daten liegen bei der RIZ AG. Bei Myra laufen die Myra-Modelle auf Myras eigener EU-Infrastruktur, und zwar auch dann, wenn Sie die optionale Speicherung in der Schweiz wählen. Wer für bestimmte Daten jede Verarbeitung ausserhalb der Schweiz ausschliessen muss, ist deshalb bei SwissGPT richtig.
Darf ein Schweizer Unternehmen ein KI-Werkzeug nutzen, dessen Modelle in der EU laufen?
Nach dem DSG grundsätzlich ja. Der Bundesrat hat Deutschland und den übrigen EU-Staaten in Anhang 1 DSV einen angemessenen Datenschutz bescheinigt, eine Bekanntgabe dorthin ist nach Art. 16 Abs. 1 DSG ohne Zusatzgarantien zulässig. Ihre Datenschutzerklärung muss das Land trotzdem nennen, und für Berufs- und Amtsgeheimnisse braucht es eine eigene Prüfung, die Ihnen kein Anbieter abnehmen kann. Mehr dazu im Ratgeber KI in der Schweiz.
Gibt es Myra AI Workspace auf Französisch oder Italienisch?
Die Oberfläche gibt es nur auf Deutsch und Englisch. Für ein Team in der Romandie oder im Tessin ist das ein echter Nachteil, und wir sagen das lieber hier als im Verkaufsgespräch. Laut ihren AGB hat auch die AlpineAI-Oberfläche Deutsch und Englisch; AlpineAI schreibt aber, die Plattform verarbeite alle Landessprachen, und der Listener transkribiert auf Französisch und Italienisch.
Quellen
- AlpineAI: Startseite (alpineai.ch leitet auf alpineai.swiss), abgerufen am 11.10.2026
- AlpineAI: Impressum, abgerufen am 11.10.2026
- AlpineAI: Produkt (mit FAQ zu Modellen, Sprachen, Training, Lizenzen), abgerufen am 11.10.2026
- AlpineAI: Sicherheit (Rechenzentren, Zertifikate), abgerufen am 11.10.2026
- AlpineAI: Behörden und Institutionen (mit FAQ zum Amtsgeheimnis), abgerufen am 11.10.2026
- AlpineAI: Allgemeine Geschäftsbedingungen (Ziff. 2.1, 2.5), abgerufen am 11.10.2026
- AlpineAI: Auftragsverarbeitungsvertrag mit Annex 3, Stand 10. Juli 2026 (PDF), abgerufen am 11.10.2026
- AlpineAI: Medien, abgerufen am 11.10.2026
- swissgpt.ch (geparkte Domain), abgerufen am 11.10.2026
- Verordnung über den Datenschutz (DSV), SR 235.11, Anhang 1, Fedlex, abgerufen am 11.10.2026