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GAIA-X soll als hybride Datenplattform das Cloud Computing auf europäischer Ebene fördern. Über 350 Unternehmen und Organisationen sind am Aufbau des Leuchtturmprojekts beteiligt — und das aus guten Gründen.

Mit GAIA-X haben Politik und Wirtschaft ein ehrgeiziges Projekt zum Aufbau einer europäischen Dateninfrastruktur in Angriff genommen. Als digitales Datenökosystem soll GAIA-X technologische Abhängigkeiten von internationalen Hyperscalern reduzieren und parallel die Wertschöpfungsketten im digitalen EU-Binnenmarkt stärken. Nach dem Vorbild von Airbus wird das Digitalprojekt partnerschaftlich von EU-Ländern und Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft getragen. Durch diese Bündelung von Kompetenzen versprechen sich die Initiatoren von GAIA-X, die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft europäischer Digitalanbieter und Services entscheidend voranzutreiben.

Praxistauglichkeit steht im Fokus

Perspektivisch soll GAIA-X in der Praxis vor allem Lösungen in den acht Bereichen Industrie 4.0, Smart Living, Finanzwesen, Geoinformationen, Gesundheit, Öffentlicher Sektor, Mobilität, Agrar und Energie fördern. Das geht aus den bereits herausgearbeiteten GAIA-X Use Cases hervor. Ein konkretes Fallbeispiel beschreibt etwa den Einsatz der Datenplattform für ein nachhaltiges Finanzwesen auf Basis von Künstlicher Intelligenz (KI) und Machine Learning. Ebenfalls möglich wäre es, GAIA-X als Rahmenwerk für den sicheren Austausch von Gesundheitsdaten zur besseren Versorgung von PatientInnen einzusetzen. Im Verkehrswesen könnte das Projekt unter anderem optimierte Wartungslösungen auf Basis von Predictive Maintenance ermöglichen. Intelligente Algorithmen errechnen dabei, wann und wo Instandhaltungsarbeiten an der Verkehrsinfrastruktur bedarfsgerecht vorgenommen werden müssen. Für diese und viele weitere Einsatzbereiche bietet eine offene Datenplattform nach europäischen Standards enorme Vorteile.

Welche Eigenschaften GAIA-X konkret so interessant für Wirtschaft, Industrie, Wissenschaft, Verwaltung und auch VerbraucherInnen machen, erfahren Sie im folgenden Ranking:

Mit diesen Stärken soll GAIA-X punkten:

1. Fortschritt & Innovation in der Cloud aktiv mitgestalten

Cloud Computing ist aus unserer modernen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Die Technologie ermöglicht es Unternehmen, Daten und Dienste in Echtzeit für Millionen von AnwenderInnen bereitzustellen. Modernes kooperatives Arbeiten an Dokumenten, Videokonferenzen, Online-Banking oder auch das Streaming von Musik und Filmen wäre ohne die Cloud nicht denkbar. Wie aus der Bitkom-Studie „Cloud-Monitor 2020“ hervorgeht, nutzen heute bereits drei von vier deutschen Firmen Cloud-Dienste.

Für die Technologie sprechen laut einer aktuellen Umfrage von Sopra Steria vor allem die hohe Skalierbarkeit, der mobile Zugriff auf operative Ressourcen sowie die Innovationsfähigkeit durch Technologien wie KI oder Big Data Analytics. Durch die stetige Digitalisierung von Finanzindustrie, Gesundheitswesen, kritischen Versorgern und vielen weiteren Branchen wandern mehr und mehr Prozesse in die Cloud — und das schafft Abhängigkeiten.

2. Einseitige Marktdominanz durchbrechen

Der Cloud-Markt wird derzeit in weiten Teilen von wenigen globalen Hyperscalern dominiert. Speziell in Ausnahmesituationen wie der aktuellen Corona-Pandemie sind digitale Souveränität und Autonomie entscheidende Faktoren zur Bewältigung der Krise. Im vergangenen Jahr sahen sich zahlreiche Unternehmen und andere Organisationen gezwungen, zugunsten der Business Continuity auf Cloud-Lösungen zu setzen, die nicht mit den geltenden Compliance-Anforderungen an IT-Sicherheit und Datenschutz vereinbar waren. Anforderungskonforme Alternativen von lokalen Anbietern waren zwar sehr wohl vorhanden, wurden aber aufgrund von bestehenden Vendor-Lock-in-Effekten und geringerer Bekanntheit oft ignoriert. Diese Strategie mag in Ausnahmesituationen ein gängiger Weg zur Vermeidung von Betriebsausfällen sein. Unternehmen, die jedoch fortwährend gegen die Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und anderer regulatorischen Vorschriften verstoßen, müssen mit Konsequenzen rechnen. Wie das Handelsblatt jüngst berichtete, intensivieren derzeit die deutschen Aufsichtsbehörden ihre Untersuchungen zu Datenschutzverstößen wegen der Nutzung von US-Cloud-Diensten.

3. Datenschutz und IT-Sicherheit ausbauen

Europa besitzt mit der DSGVO ein einzigartiges Werkzeug zum Schutz sensibler Daten. International ist das Regelwerk zu einem Sinnbild von konsequentem Datenschutz und Datenintegrität geworden, das viele Länder sich zum Vorbild nehmen. EU-Unternehmen dient die DSGVO zudem als Qualitätssiegel für die Einhaltung strengster Datenschutzvorgaben. Darüber hinaus definiert die EU-Richtlinie zu Netzwerk- und Informationssicherheit (NIS) die Anforderungen für ein einheitliches IT-Sicherheitsniveau auf europäischer Ebene. Die Richtlinie zielt insbesondere auf den Schutz kritischer Infrastrukturen vor Cybervorfällen ab. GAIA-X baut genau auf diesem massiven Fundament für Datenschutz und IT-Sicherheit auf.

4. Binnenmarkt stärken, lokale Player fördern

EU-konformer Datenschutz ist für deutsche Unternehmen eines der primären Auswahlkriterien bei der Anschaffung neuer Cloud-Dienste. Außerdem sollte die Bereitstellung von Cloud-gestützten Services ausschließlich aus lokalen Rechenzentren aus der EU und Deutschland erfolgen. Entsprechend befürworten 69 Prozent des deutschen IT-Managements den Aufbau von GAIA-X als europäische Cloud-Infrastruktur. Die EntscheiderInnen versprechen sich durch die Datenplattform mehrheitlich größere Unabhängigkeit von ausländischen Anbietern, höhere Standards für System- und Datensicherheit sowie einen digitalen Innovationsschub. Von diesem Zuspruch werden künftig auch die Lösungen profitieren, die auf GAIA-X setzen. Eine wirtschaftliche Marktanalyse zu GAIA-X, die im Deutschen Bundestag kommuniziert wurde, beziffert den relevanten Markt im Jahr 2023 mit rund 45 Milliarden Euro — bei einem jährlichen Wachstum von 17 bis 19 Prozent.

5. Leistung und Komfort erhöhen

Durch den Fokus auf offene und modulare Standards soll GAIA-X außerdem die Interoperabilität im Cloud Computing erhöhen. Dabei will die Plattform Daten so frei wie möglich zugänglich machen, damit Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft direkt davon profitieren. So fördern etwa gemeinsame Datenpools die Arbeiten an Machine Learning und KI. Das begünstigt wiederum die Implementierung innovativer Technologien in bestehende Cloud-Dienste. Für die beteiligten Unternehmen und Organisationen bedeutet das ein zusätzliches Plus an Leistung und Komfort — ohne Trade-offs hinsichtlich Datenschutz oder Sicherheit.

Ausblick: So geht es mit GAIA-X voran

Aktuell befindet sich GAIA-X noch in einer frühen Aufbauphase. So lief etwa noch bis Anfang Mai ein Förderwettbewerb der Bundesnetzagentur, bei dem Projektskizzen eingereicht werden konnten. Die erfolgversprechendsten Projekte sollen mit 10 bis 15 Millionen Euro gefördert werden. Die ersten offiziellen GAIA-X-zertifizierten Dienste für den operativen Einsatz erwarten die Verantwortlichen laut einem beteiligten Unternehmen ab Mitte des Jahres. Für die zweite Jahreshälfte ist außerdem der Start von föderierten Cloud-Services geplant, die den sicheren Datenaustausch auf der GAIA-X-Plattform ermöglichen.

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